Wirtschaftliche Entwickelung.
die Rede war. In der Zeit der europäischen Herrschaft
wurde durch die unter dem Schutze der Machtmittel des
Mutterlandes durchgeführte Zwangsarbeit der Plantagenbetrieb
gesichert, ebenso wurden durch die Repartimientos, von
denen später noch die Rede sein wird, den Indianern zwangs-
weise europäische Waren zugeführt und die Bevölkerung
damit wenigstens in geringem Grade mit der Möglichkeit der
Verbesserung ihrer Daseinsbedingungen bekannt gemacht.
Mit der Aufrichtung der selbständigen Republiken!) und einer
demokratischen Verfassung vertrugen sich aber solche Maß-
regeln nicht mehr und es wurde damit die Möglichkeit ge-
nommen, die Eingeborenen wie bisher zur Plantagenarbeit
und zur Aufnahme gewerblicher Erzeugnisse zu zwingen oder
sie zur Erzeugung der vorher von den Mutterländern ge-
lieferten Bedürfnisse zur Ernährung der europäischen ‚Be-
völkerung der neuen Staaten ‚anzuhalten. Ohne unmittel-
baren Zwang ist gegen. den Indianer nichts auszurichten,
doch ist ein solcher, wie eben geschildert, nicht mehr mög-
lich und um ihn mittelbar auszuüben, fehlt die Hauptgrund-
lage, die Landlosigkeit der Eingeborenen. / Das Innere
der amerikanischen Republiken ist noch freies Land und. die
Bedürfnisse einer Indianerfamilie, sind so gering, daß sie
überall ein Stück Land findet, von dem sie leben und aus
dem, sie nach Belieben und ohne Zwang und Mühe Aus-
fuhrartikel, wie Kaffee, Kakao, Kautschuk gewinnen kann,
deren Erlös ihr wieder den Ankauf von Hausgerät, Kleidung
und Feuerwasser ermöglicht. Damit aber werden die Indianer
unabhängig von dem Weißen, dem die Macht genommen iist,
den Eingeborenen zur Erzeugung über seinen Bedarf hinaus
und zur Verbesserung seiner Daseinsbedingungen zu veran-
lassen. Was ;der Indianer baut, ist also an Nahrungs-
mitteln nur so viel, als, er selbst bedarf, zu der Befriedigung
des Gesamtbedaris des Landes trägt er nicht bei; das übrige
sind koloniale Ausfuhrpflanzen, die ihm die kleinen Geld-
summen für seinen sonstigen Lebensunterhalt verschaffen.
Deshalb ist von der Arbeitsteilung der europäischen Länder
in den amerikanischen Republiken nicht die Rede und die
Einfuhr der gewöhnlichsten Nahrungsmittel trotz des Boden-
reichtums noch auf lange Zeit hinaus nicht zu umgehen.
Diese Länder haben es also nicht verstanden, den für
einen selbständigen Staat notwendigen Schritt des Übergangs
') Weber: Zur wirtschaftlichen Lage in den tropisch amerika-
nischen Staaten.
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