Object: Volkswirtschaftliches Quellenbuch

592 Sechster Teil. Volkswirtschaftliche Zustände in Amerika. 
Handen sind. Finden sie nicht überall eine herrliche Natur, gehegt und gepflegt in alter 
Kultur? Finden sie nicht viel mehr Behaglichkeit und Vornehmheit an Menschen 
und Dingen als drüben? Gibt es hier nicht Massen an Kunstschätzen, wo in dem 
jungen Amerikanerlande höchstens nur Stücke sind? Wo haben sie drüben die alten 
Heilquellen, in denen sie, wir wir, Stärkung suchen können? Wo haben sie wohl 
drüben so leicht zugängliche und zahlreiche Gründe zum Jagen und Fischen wie hier? 
Wo ist es ihnen drüben möglich, wie bei uns, von Stadt zu Stadt, von Land zu Land 
mit einem Automobil über feste, gut unterhaltene und jahrhundertealte Straßen zu 
jagen? Das alles haben wir voraus, das alles läßt sich auch in Amerika nicht aus 
dem Boden stampfen. Ja, sie fühlen es, die vornehmen Amerikaner, wie alles drüben 
so jung ist, wie alles so unfertig, vieles so unschön, nüchtern und unbeholfen ist. Sie 
können sich des Zaubers nicht verwehren, der über Europa gebreitet ist, und der ins 
besondere auch über unserem Heimatlande liegt. 
Wer von den Deutschen, die mit mir, von der Yoricks fair zurückkehrend, den 
Ozean furchten, hätte nicht ein Gefühl des Stolzes empfunden, als er von dem 
dampfenden Ozeankoloh aus die ersten Gestade Europas wieder erblickte, als er gar 
die heimatlichen Gestade aus den Wellen wieder emporsteigen sah! 
Und in diesem Gefühl grüßte auch ich dich, Europa. Nicht bist du eine alters 
schwache und greisenhafte Erde, — nein, du bist der ewig junge Born, der immerdar 
der ganzen Welt neues Blut und neue Kräfte spendet! 
2. Allgemeiner Charakter des amerikanischen Lebens. 
Von Hermann Paasch e. 
P a a s ch e, Im Fluge durch Jamaika und Kuba. Vortrag. Stuttgart, I. G. Cotta 
Nachfolger, 1900. S. 8—16. 
Wenn man hinüber nach Amerika kommt, so ist beim Betreten des Landes der 
Eindruck, den wohl jeder empfängt, der des Großartigen, Wachs enden, 
Werdenden und, damit verbunden, selbstverständlich vielfach der Eindruck des 
Unfertigen und Unvollendeten. 
G r o ß ist alles, nach allen Richtungen hin, — der gesamte Kontinent mit seiner 
gewaltigen Ausdehnung von einem Ozean zum anderen, von den subtropischen Re 
gionen des Südens bis zu den schneesturmdurchtobten Grenzgebieten Kanadas, seinen 
unermeßlichen Ebenen und Gebirgsmassen, seinen mächtigen Strömen und Wasser 
becken, seinen unerschöpflichen Naturkräften, seinem Reichtum an Boden- und Berg 
werksprodukten, mit der Fülle aller möglichen Erzeugnisse, die er auf den Weltmarkt 
zu liefern vermag. 
Großartig ist alles, was Menschenhand dort geschaffen 
hat, und ins Große strebt, was die Menschen dort beginnen 
und unternehmen. 
Schon, wenn man in den wundervollen Hafen New Jorks einfährt und nach 
langer, ermüdender Seefahrt an den schönen grünen Hügeln von Staten Island mit 
seinen prachtvollen Villen und Parkanlagen, den kanonengespickten Forts und Panzer 
türmen vorüber, an der mächtigen Freiheitsstatue vorbei, sich den Häusermassen der 
Weltstadt nähert, ist der Eindruck ein überwältigend großartiger. 
Der geräumige Hafen, der gerade dadurch so außerordentlich imponiert und so 
unschätzbare Vorzüge vor vielen voraus hat, daß die größten Schiffe, die den Atlan 
tischen Ozean durchqueren, direkt am Uferkai in dem ruhigen Wasser des mächtigen 
Hudsonstromes anlegen können, fesselt immer wieder durch den unglaublich regen
	        
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