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ZWEITER TEIL
KAPITEL VI
WOCHENHILFE
Die Bestrebungen der heutigen Generation nach Erhöhung
der wirtschaftlichen Sicherheit und Hebung der Volksgesundheit
würden vergeblich erscheinen, wenn ein fortschreitender Rückgang
der Geburten das Gleichgewicht zwischen Jung und Alt aufheben
sollte. In der Vorkriegszeit war eine solche Gefahr kaum vor-
handen. Seitdem haben sich die Bevölkerungskurven in den
meisten kriegführenden Ländern infolge der Verringerung des
Geburtenüberschusses nach unten bewegt. In einigen Staaten
ist der Geburtenüberschuss so gering geworden, dass die Frage
des Geburtenrückgangs alle anderen beherrscht.
Steht die Volksgemeinschaft dieser Frage waffenlos gegenüber !
Steht sie einer unvermeidlichen, unabwendbaren Entwicklung
gegenüber oder vermag sie auf die Geburtenzahl Einfluss zu gewin-
nen und deren Unzulänglichkeit entgegenzuwirken? Die Geschichte
der Industriestaaten bezeugt das dauernde Bestreben nach staat-
lichen Eingriffen, um die Geburtenziffer zu erhöhen und zu ver”
bessern. In der Tat genügt es keineswegs, die Zahl der Geburten
zu vermehren, sondern es handelt sich noch mehr darum, ZU
verhindern, dass die neugeborenen Kinder vorzeitig dahinsiechen
der ein verkümmertes Dasein führen müssen.
Es ist hier nicht der Ort, die Grundsätze der Eugenik auf-
zuführen, die allgemein anerkannt sind und deren Anwendung
insgesamt den Schutz der Mutterschaft bilden. Unsere Aufgabe
ist begrenzter und betrifft nur die besonderen Bedürfnisse der
Mutter, die als Lohnarbeiterin tätig ist.
Die Schwangere bedarf der Ruhe. Sie ist die Voraussetzun&
für eine regelrechte Entwicklung und einen, regelrechten Ausganß
der Schwangerschaft. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, die
Berufstätigkeit vor der Niederkunft einzustellen. Die ärztliche