Full text : Die obligatorische Krankenversicherung

EINNAHMEQUELLEN UND FINANZGEBAREN 487

Bemerkungen. — Die Tafel von Kinkelin (Die Unterstützungsgesellschaflen
 auf Gegenseitigkeit in der Schweiz im Jahre 1880, Bern 1886 ) ist abgeleitet
aus der Erfahrung von 919 Schweizer Versicherungskassen, die 1880 bestanden.
 Die Unterstützung begann mit Beginn der Krankheit und dauerte
während höchstens 18 Monaten (ein Drittel der Kassen versicherte eine
Bevölkerung, die sich aus Männern und Frauen zusammensetzte, die anderen
versicherten nur Männer).
Die Tafel von Moser (Bericht für den 3. Internationalen Kongress der
Versicherungsmathematiker, Paris 1900) ist das Ergebnis der Erfahrungen
Aer Kanton-Kasse von Bern für die, Krankenversicherung während einiger
Jahre. Krankenhilfe wird während höchstens einem Jahr gewährt. Ausgewählte
 Versicherte. 359.341 beobachtete Krankheitstage. Mitgliedschaft
der Einrichtung ungefähr 11.000 Mitglieder.
Die Tafel von Janse (Bericht für den 3. Internationalen Kongress der
Versicherungsmathematiker, Paris 1900) ist abgeleitet von Beobachtungen
aus den Jahren 1880-1897 bei der Allgemeinen Krankenkasse von Amsterdam.

Die österreichische Tafel ist mit der Tafel der englischen Versicherungsmathematiker
 die interessanteste für die soziale Pflichtversicherung. Sie
beruht auf Beobachtungen der Jahre 1906-1910 bei den österreichischen
Pflichtversicherungskassen. Sie beruht auf einem Mitgliederstand im
Jahresdurchschnitt von 2 Millionen Versicherten und auf einer Gesamtsumme
von 95 Millionen Krankheitstagen (Krankheits- und Sterblichkeitsverhältnisse
 bei den Krankenkassen in den Jahren 1906-1910 *, Wien 1913).
Die Tafel der englischen Versicherungsmathematiker ( Bericht für 1912 /13
über die Verwaltung des nationalen Versicherungsgesetzes in England, Teil I,
Seite 583) ist eine Spielart der von Watson gefertigten Tafel über die Erfahrung
 des Hilfsvereins auf Gegenseitigkeit „Independant Order of Oddfellows
Manchester Unity“ von 1893-1897. Bei dem Teil, den wir wiedergeben,
handelt es sich um Krankheiten, die höchstens während 6 Monaten unterstützt
 worden sind nach einer Wartezeit von drei Tagen. (Hinsichtlich der
Änderungen, die dadurch in der Tafel von Watson erfolgten, vgl. in diesem
Kapitel die Studien über die technischen Grundlagen des Finanzsystems
in Grossbritannien.) Die Tafel von Watson (Kin Bericht über eine Untersuchung
 der Erfahrungen in Krankheit und Sterblichkeit der I.0.0.F.
Manchester Unity während der 5 Jahre 1893-1897, Manchester 1908, S. 211
und 218) beruht auf ungefähr 3 Millionen Jahren, die ‚,dem Risiko
ausgesetzt waren‘ und im besonderen auf rund 24 Millionen unterstützten
Krankheitstagen mit Höchstunterstützung von 26 Wochen und ohne
Wartezeit.
Unter Berücksichtigung der Verschiedenheiten der beobachteten Gruppen
zeigen diese Tafeln eine bemerkenswerte Übereinstimmung. Man sieht
— die Tafel von Janse beiseite gelassen — dass der Erkrankungssatez
im Alter von 23 und 24 Jahren der geringste ist.

B. — Erkrankungssatz der Frauen
_ Die österreichische Tafel (a. a. O.) ist, wie wir wissen, die einzige, die
sich auf eine genügend breite Erfahrung stützt, 8o dass ihre Wiedergabe
nützlich ist ®%. Sie bezieht sich auf den gleichen Beobachtungszeitraum wie
die männliche Tafel. Sie beruht auf einem mittleren Jahresbestand von
$50.000 Versicherten und auf 19 Millionen Krankheitstagen, von denen
ungefähr 6 Millionen sich auf 218.070 Schwangerschaften beziehen.

1 Trotz der Verschiedenheit in der Wartezeit und in der Höchstdauer der
Kassenleistungen unter den Kassen haben die österreichischen Versicherungs-Mathematiker
 zugegeben, dass die Unterschiede zwischen den Kassen nicht in
Wahrnehmbarer Weise das Endergebnis beeinflussen und dass man den Erkrankungssatz
 der Tafel betrachten könne, als ob er sich auf eine Höchstunterstützungsdauer
 von 20 Wochen und auf eine Wartezeit von 3 Tagen beziehe.
* Die Tafel des weiblichen Erkrankungsatzes ist neuerdings von den englischen
Versicherungsmathematikern. aufgestellt (siehe unten in der Untersuchung über
Sn finanziellen Systeme von Grossbritannien). Sie ist noch nicht in unsere Hände
gelanet.
            
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