Full text: Ansprachen und Vorträge

die werken möchten, Anreiz und Gelegenheit zu geben, zu werken. 
Die Tagung des Deutschen Werkbundes in Bremen mag die allzu 
Bequemen aufrütteln und ihnen den Mut einflößen, selbst zu 
werken und nicht wie bisher im stumpfen Nachahmungstrieb 
geistlos gewordener Materie aus Gewohnheit oder blinder 
Stubenweisheit nachzuahmen. Bei dem Primitiven müssen wir 
anfangen und versuchen, in Geist und Gefühl unserer Zeit das 
auszudrücken, was in uns liegt, dann werden wir zu neuen und 
großen Formen kommen. Zu deutschen Formen, die sich wie ein 
Dom erheben aus dem Wirrsal der Gemeinplätze. Der Werk— 
bundgedanke wirkt gestaltend auf das deutsche Volk, weil in ihm 
der Keim des Aufbaues liegt. Im Boden der Heimat wurzelnd, 
sollen unsere Werke wachsen, Zeugnis gebend von der Kraft, die 
wir selbst sind. Ein Volk, das seinen eigenen Werkgedanken ver— 
loren hat, das fremde Götzen anbetet, und glaubt, im Kampfe 
um seine Existenz durch Außerlichkeit siegen zu können, trägt das 
Signum des Vergehens an der Stirn. Es geht ihm wie dem 
Kranken, der in seiner Fieberphantasie Dinge sich vollenden sieht, 
die am nächsten Morgen nicht wieder zusammengebracht werden 
können und dann nach dem UÜberschwang den schalen Geschmack 
des Nichtkönnens auslösen. Wie viele, die schaffen möchten, er— 
müden. Wißt ihr denn nicht, daß die Ermüdung eine Empörung 
des Gefühls gegen übertrieben angewandte und veraltete Form 
ist? Ein Schaffender, der zugleich Schöpfer ist, ein wahrer Werker 
ermüdet nie! Seine Kraft ist göttlichen Ursprungs; sie ist ge— 
wonnen aus der Berührung mit der allmächtigen schöpfenden 
Kraft. Wird solche Kraft in vielen von uns lebendig, wird das 
Volk davon ergriffen, so ist auch die Zukunft unser! Zum Schluß 
ein Werkspruch unseres Altmeisters Goethe: 
„Und umzuschaffen das Geschaffene, 
Damit sichs nicht zum Starren waffne, 
Wirkt ewiges lebendiges Tun, 
Und was nicht war, nun will es werden. 
Zu reinen Sonnen, farbigen Erden, 
In keinem Falle darf es ruhn.“ 
12
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.