Full text: Ansprachen und Vorträge

nannten Veredelungsverkehr exportfähig zu machen. Wir mußten 
uns wieder hinaus begeben, um zu sehen, wie stark wir gebunden 
sind an bestimmte Voraussetzungen des Zustandes der Vorkriegs⸗ 
zeit. 
Deutschland selber hat nun in dieser Periode eine industrie— 
politische und finanzpolitische Gesetzgebung erfahren, die wir auch 
bei einer Erörterung der Handelspolitik nicht übersehen können. 
Wir stehen heute nicht nur in der Zolldebatte, sondern wir stehen 
auch in der Steuerdebatte mitten drin und stehen vor der Frage 
der Umsatzsteuer, ob sie auf 14 oder 125 ermäßigt wird, 
oder ob sie ganz fällt. Die Umsatzsteuer, jene Steuer, die für den 
Staat sehr verständig ist in einer Zeit, da die Geldentwertung 
fortgesetzt die Ziffern verschiebt, da sie angeschlossen ist an die 
Preisbewegung der Ware und somit die einzige Steuer ist, die 
mit der Entwertung des Geldes einigermaßen Schritt hält, muß 
von uns heute anders gesehen werden unter dem Gesichtspunkt 
ihrer heutigen Wirkung. In einer Zeit, da wir gezwungen sind, 
mehr zu steuern, wird sie im Produktionsprozeß überall als zu— 
sätzliche Verteuerung der Preise eintreten. Wir erinnern uns, 
daß jene Zeit auch gebracht hat die Luxussteuer unter dem Ge— 
sichtspunkt des Ressentiments, daß auf einmal viele Menschen 
vorhanden waren, die Luxus kaufen konnten zu einer Zeit, da 
die breiten Massen des Volkes verarmten und in diese breiten 
Massen des Volkes der ganze alte sogenannte gebildete Mittel— 
stand mit hinein sank. Damals hatte man sich angewöhnt das 
Wort Luxus mit einem peinlichen Zusatz von sozialer Ent— 
rüstung zu nennen, und ich verstehe das durchaus. Aber man 
hat sich nicht überlegt, ob es volkswirtschaftlich erlaubt ist, be— 
stimmte gewerbliche Leistungen mit diesem Stempel zu belegen, 
sie dem Unrecht einer steuerlichen Sonderverfolgung auszusetzen, 
ohne zu überdenken, wie das volkswirtschaftlich zurückwirkt. Mit 
der Stabilisierung kommt der Rückschlag auch in diesen Fragen. 
Deutschland ist auf einmal ein hochvalutarisches Land geworden 
bei gleichzeitig einsetzender Erkenntnis, daß es ein verarmtes 
Land ist, und daß die volkswirtschaftliche Gesamtverarmung nun 
uns zwingt, den Zusammenhang zwischen innerem und äußerem 
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