Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

30888 Zehntes Buch. Zweites Kapitel. 
lichst große Anzahl von Hausstellen in einem möglichst kleinen 
schützenden Mauerbering zu fassen bestrebt war. So ward unter 
Berücksichtigung der Bedürfnisse des Handels und der Industrie 
ein Markt angelegt mit alles beherrschendem Rat- und Kauf— 
haus; den Markt umgaben die Hausstellen der Bürger, schmal, 
zwei bis höchstens vier Fenster breit, nicht zu tief; kaum irgend⸗ 
wo beträgt die Ausmessung bis zur nächsten Parallelstraße 
mehr als etwa 120 Schritt. So entstanden kleine bürgerliche 
Besiedelungen, deren etwa zwei Dutzend auf die Hofstelle eines 
mittleren Bauern des platten Landes gegangen wären. Und 
eng, wenn auch geradlinig drängten sich auch die etwa sonst noch 
gezogenen Gassen an den Markt, alle umfaßt von der dichtgürtenden 
Stadtmauer, deren Umfang gleichwohl die Anlage mäßiger 
Wirtschafts- und Dungstätten für einen feineren Anbau noch 
zu gestatten pflegte. 
Es ist der Typus norddeutsch-kolonisatorischer Stadtanlage, 
der auf diese Art — wie auch jener der Dorfanlage — zunächst 
in Brandenburg geschaffen ward: noch nicht nach allen Seiten 
völlig vollendet, noch nicht zu starrer Regelmäßigkeit entwickelt, 
noch lebensvoll und dehnbar genug, um in Länder späterer 
Kolonisation übertragen zu werden. Erst Schlesien und teil— 
weise Preußen haben ihn dann im 18. Jahrhundert zu klarem 
Abschluß herausgebildet —, zunächst übernommen aber, ja teil⸗ 
weise parallel entwickelt ward er in den Gegenden nordöstlich 
der Mark, in den Landen von der Elbe bis zu den Ufern des 
Schweriner Sees im heutigen Mecklenburg. 
Während der Slawenfürst Niklot um das Jahr 1167 im 
Osten Mecklenburgs jenen Resten der slawischen Bevölkerung 
Zuflucht gewährte, welche die furchtbaren Verheerungen in den 
früheren sechziger Jahren überstanden hatten, blühte im Westen, 
gestützt auf die Gründung der Stadt Schwerin und längere 
Kolonisationsarbeiten der Holsteiner Grafen das Deutschtum 
mächtig empor. Mit rücksichtsloser Schärfe ward ihm Bahn 
gebrochen; selbst die zur Waldöde geflüchteten Slawen verfolgte 
der deutsche Eroberer ins Elend; in der Grafschaft Schwerin
	        
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