Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

366 Sehntes Buch. Zweites Kapitel. 
Anzahl Hufen von meist nur 30 Morgen zu je !/s Hektar be— 
rechnet; zwei bis vier dieser Hufen erhält der Lokator, zwei 
werden der Pfarrei zugewiesen, die anderen stehen zur Vergebung 
an bäuerliche Siedler aus, die nunmehr der Lokator heranzieht. 
Gelingt die Besiedelung, so wird der Lokator Erbschulz des 
Dorfes und als solcher Beamter wie reisiger Kriegsmann des 
Markgrafen; die Bauern bilden unter ihm eine Gemeinde, sie 
sitzen zu Erbzinsrecht und im Recht freien Zuges, sobald sie für 
einen Ersatzmann gesorgt haben; nach einer Anzahl von Frei— 
jahren, die bei Urbarungen bis zu sechzehn Jahren steigen 
können, zehnten sie der Kirche und zahlen dem Grundherrn 
mäßige Zinse!. Fern sind sie von den vielfach gedrückten Ver⸗ 
hältnissen des Mutterlandes, wenngleich nicht in der günstigen 
Lage der anfänglichen, kapitalreich aus Holland gekommenen 
Ansiedler der Marschen: aus ihrer Mitte hat sich der wetterfeste 
Schlag der Märker entwickelt. 
In solchen Besiedelungen ward die Mark bis Spandau 
schon um die Wende des 12. und 18. Jahrhunderts kern— 
deutsch; die östlichen Teile folgten später nach und erhielten 
fast durchweg den gleichen germanischen Charakter. Die Slawen 
aber, ihres Landes verstört, heimatlos und flüchtig, entwichen 
zunächst in das Dunkel der früher von ihnen gemiedenen Wäl— 
der; hier nahmen sie neues Land auf in kümmerlichem Anbau. 
Aber auch hierhin drang der Deutsche nach; eine große Anzahl 
der „Wendenfelder“ sind deutsche Fluren geworden. So blieb 
dem Slawen kein Element mehr, als das ihm von Alters her 
vertraute Wasser. Als Fischer, in sogenannten Kietzen, kleinen 
und schmutzigen Dörflein, hat der Rest der ehemaligen Herren 
des Landes gelebt, bis auch hier nationale Sitte und Sprache 
verloren gingen. Als die Hohenzollern ihre Herrschaft über die 
Mark begründeten, ertönte rechts der Elbe nur selten noch ein 
slawisches Wort von den Lippen der neuen Unterthanen; nur 
links der Elbe in der Altmark, auf nicht rein kolonialem Ge 
biete, hatten sich, ähnlich wie in der thüringischen Mark, Reste 
Meist die geringe Summe von 124 Schillingen.
	        
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