Ein dritter Vorwurf gegen den Handel richtet sich gegen die
große Zahl kleiner Ladengeschäfte, aus der man ebenfalls eine un—
nötige Verteuerung der Waren folgert. Aber die Frage, welche
Zahl von Geschäften zur Deckung eines gegebenen Bedarfs nötig ist,
läßt sich von außen gar nicht entscheiden. Maßgebend ist lediglich das
Verhalten der Käufer, bei denen wieder der Wunsch nach Differenzie⸗
rung eine große Rolle spielt. Wer vorhandene Bedürfnisse befriedigt,
füllt eine Lücke aus, wenn scheinbar auch die Nachfrage durch die schon
vorhandenen Geschäfte befriedigt werden kann. Wer das Bedürfnis
nicht befriedigt, geht zu Grunde. Es gibt also nur ein Kriterium für
den Bedarf, das sind die Wünsche, und wenn man so will, die Launen
des Publikums. Es ist also die Psyche der Käufer das hauptsächlich
bestiiimende Moment. Der Handel ist natürlich niemals Selbst—
zweck, er ist dazu da, die Bedürfnisse der Bevölkerung zu befriedigen.
Wird dieser Zweck auf eine neue oder bessere Weise befriedigt, so hat
der Handel in seitheriger Form seine Existenzberechtigung verloren.
Es besteht also die Frage, nicht wie der Handel beseitigt, sondern
wie seine Aufgaben auf andere und bessere Weise gelöst werden könnten.
Fin Versuch dazu ist die Bildung von Konsumovereinen.
Diese sind ein Teil der großen genossenschaftlichen Bewegung, wie sie
durch Schulze-Delitzsch, Raiffeisen und andere Männer ins Leben
gerufen wurden. Die großen Verdienste dieser Bewegung wird kein
anparteischer Beobachter unserer wirtschaftlichen Zustände bestreiten.
Sie liegen namentlich auf dem Gebiete des ländlichen und kleingewerb⸗
lichen Kreditwesens, aber auch der Rohstoff- und Futterbeschaffung,
des Molkereiwesens und ähnlicher Gemeinschaftsbetriebe. Das siud
Aufgaben, die wohl im Tätigkeitsbereich des einzelnen Produzenten
liegen, aber besser in der Gemeinschaft als vom Einzelnen gelöst
werden können.
Was nun die Konsumoereine im besonderen betrifft, so können
sie da am Platze sein, wo ein leistungsfähiger selbständiger Haudels⸗
stand nicht vorhanden ist. Sie treten dann an dessen Stelle und der
Verdienst, der erzielt wird, aber auch die Kosten und das Risiko des
Kaufmanus fallen auf die Mitglieder. Der Konsumvoerein ist also
wirtschaftlich genommen nichts anderes wie jedes kaufmännische Ge—
schäft. Er ist daher auch nur rein kaufmännisch zu werten, mit sozialen
and ethischen Grundsätzen hat er nichts zu tun. Der Erfolg hängt
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