Full text: Grundfragen der Wirtschaft

politischen Gemeinschaft. Diese nützen sie entweder selbst aus oder 
überlassen sie gegen einen Preis oder einen Mietzins oder gegen irgend 
eine andere Gegenleistung einem Privatunternehmer. Wie wenig 
Wert heute noch viele Naturschätze haben, dafür gibt es zahlreiche 
Beispiele. In Südamerika, wie früher auch allgemein in Nord— 
amerika, werden große Bodenflächen umsoust abgegeben, nur gegen 
die Verpflichtung, sie in irgend einer Weise unter Kultur zu nehmen 
und dem Verkehr zu erschließen. Trotzdem wird man, glaube ich, in 
diesen Fällen nicht von einem Geschenk reden können, deun der Boden 
muß erst durch den Kolonisten bearbeitet werden. Ist aber ein Gebiet 
bereits erschlossen und hat es dadurch Wert erhalten, so muß der Er⸗ 
werber eines Grundstücks ein Entgelt zahlen und zwar, seitdem Geld 
das allgemeine Tausch- und Zahlungsmittel ist, fast stets in Geld. 
Damit, daß er die verkehrsübliche Summe Geldes, d. h. den Markt⸗ 
preis zahlt, hat er den Wert des ihm überlassenen Grundstücks in der⸗ 
selben Weise abgegolten wie der andere durch seine Verpflichtung zu 
einer bestimmten Arbeitsleistung. Beide sind Besitzer des Grundstücks 
geworden. 
Man hat sich gewöhnt, Geld und Kapital gleichzusetzen. 
Das ist ein grober Fehler, den man besonders deutlich in der jetzigen 
Zeit der Geldentwertung erkennt. Geld ist nur ein Tauschmittel, das 
dadurch öffentliche Anerkennung erhält, daß der Staat es mit seiner 
Autorität versieht. Das kann er aber nur, wenn er Autorität, d. h. 
Macht besitzt und wenn hinter den Geldzeichen ein tatsächlicher Wert 
steckt, d. h. ein Wert, der auch daun bestehen bleibt, wenn der Staat 
borübergehend in seiner Macht geschwächt ist und kein Vertrauen 
findet. Man hat als bestes Deckungsmittel für die Geldzeichen in den 
letzten Jahrzehnten allgemein das Gold anerkannt, weil es einen all— 
gemeinen und relativ gleichmäßigen Gebrauchswert in der ganzen 
Welt besitzt, leicht aufzubewahren und in seiner Beschaffenheit ziem⸗ 
lich unveränderlich ist. Dadurch, daß die vom Staat ausgegebenen 
Geldzeichen jederzeit in Gold umgetauscht werden können, behalten 
auch diese ihren Wert. Heute ist die politische Macht unseres Reiches 
auf ein Minimum herabgedrückt, unsere Goldbestände sind bis auf ge⸗ 
ringe Reste teils von den Feinden geraubt, teils für Lebensmittel mid 
Rohstoffe ausgegeben. Das Reich genießt im Auslande kein Vertraueu. 
So ist der Wert unserer Geldzeichen gesunken, zuerst im Auslande, 
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