Der Direktor des Staatswissenschaftlichen Seminars, Herr Pro⸗
fessor Or. Mombert, hat mir nahegelegt, die Zeit meiner Verbannung
aus dem besetzten Gebiet dazu zu benutzen, um an der hiesigen Universi⸗
tät einige Vorlesungen über wirtschaftliche Fragen zu halten. Ich
bin diesem Wunsche um so lieber gefolgt, als auch Seine Magni—
fizenz, der Herr Rektor, und einige andere Herren Interesse hierfür
an den Tag gelegt haben. Den Zweck und Beweggrund für die
Auregung darf ich wohl darin suchen, daß man neben den Vertretern
der Wissenschaft auch einmal einen Praktiker der Volkswirschaft zu
Worte kommen lassen will, der die theoretischen Vorlesungen vom
Standpunkte seiner durch die Praxis gewonnenen Erfahrungen er—
gänzt. Die Bedeutung der theoretischen Vorlesungen liegt in der
Einführung in die Welt der Ideen, die Bedeutung der praktischen
Vorlesungen in der Betrachtung der Erscheinungen des Wirtschafts—
lebens vom Standpunkte dessen, der mitten im Wirtschaftsleben oder
wenigstens ihm nahesteht.
Es braucht dabei zwischen beiden Arten von Vorlesungen kein
grundsätzlicher Unterschied zu bestehen, nur der Standort ist ver⸗
schieden. Auch solIl kein grundsätzlicher Unterschied bestehen, denn
Theorie und Praxis müssen auf dasselbe Ziel hinauskommen.
Es liegt auch nicht etwa so, daß ich mich beschränke auf rein
praktische Fragen der Wirtschaft, insbesondere der Privatwirtschaft,
daß ich also gewisse wirtschaftstechnische Kenntnisse vermitteln will,
oielmnehr erblicke ich meine Aufgabe darin, Sie in den Geist der Wirt—
schaft einzuführen, wie er sich mir aus dem Zusatmmenhang der
Einzelerscheinungen darstellt. Ich will aus der Anschauung schöpfen
und daraus Begriffe bilden und Erkenntnisse erschließen. Daneben
sollen auch Fragen der Wirtschaftspolitik behandelt werden und da⸗
mit auch solche der Sozialpolitik, der man vielfach mit Unrecht eine
besondere Stellung wneben der Wirtschaftspolitik einräumt.
Ganz fern liegt es mir, die Dinge vom Standpunkte des Nutzeus
für bestimmte Parteien oder Gruppen zu behandeln. Ich erkenne