Full text: Nationalökonomie (1.1915)

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schmack und ihre Kunstfertigkeit zur außerordentlichsten Leistung aus, 
in der es ihnen Niemand gleich zu tun vermag, der solche Versuche 
nur mitunter vornehmen kann. Der Augenarzt wird als Spezialist eine 
große Zahl auch seltener Fälle zu untersuchen und zu behandeln be- 
kommen, welche in der ländlichen Praxis vielleicht in mehreren Jahren 
nur einmal vorkommen; er macht täglich schwierige Operationen, zu 
denen der gewöhnliche Hausarzt, wo es an Spezialisten fehlt, vielleicht 
nur einmal im Jahre gelangt. Der Spezialist muß deshalb eine ganz 
andere Sicherheit in der Diagnose, wie bei der Operation erlangen, als 
as einem Arzte mit allgemeiner Hauspraxis möglich ist. Und wo 
diese Spezialisierung in einem Volke auf höherer Kulturstufe allge- 
meiner ausgebildet ist, muß auch nicht nur die Leistungsfähigkeit des 
Einzelnen, sondern auch die der Gesamtheit in der außerordentlichsten 
Weise gesteigert sein. Dies wird noch durch den zweiten Punkt 
unterstützt. 
2, Die allgemeine Ausbildung der Arbeitsteilung in einer Volks- Anpassung de 
wirtschaft ermöglicht es, Jedem je nach der Art seiner Intelligenz eK ehtelon 
und seiner ausgebildeten Fähigkeiten bei der unendlichen Mannigfaltig- 
keit der Beschäftigungen einen Platz anzuweisen, für den er gerade 
besonders paßt, und wo seine Kräfte am besten ausgenutzt werden 
können. Schon in einer größeren Fabrik wird ein akademisch gebildeter 
Ingenieur nur dazu verwendet, Entwürfe anzufertigen, Verbesserungen 
ausfindig zu machen usw., während eine größere Zahl von Handwerkern 
mit der Ausführung der Detailarbeiten beschäftigt wird, so daß am 
Schmelzofen wie bei dem Dampfhammer vor allem Männer mit starker 
Körperkraft, jugendliche Arbeiter dagegen mit dem Zutragen leich- 
terer Teile, dem Feststampfen des Formersandes usw. tätig sind. In 
äem ganzen volkswirtschaftlichen Betriebe scheiden sich die Kopf- 
arbeiter von den Handarbeitern ab, und die große Masse, welche da- 
zwischen liegt, verteilt sich in unendlicher Abstufung in den ver- 
schiedensten Berufsarten, um ihre Ausbildung in spezialisierter Weise 
zu verwerten. Die vorhandenen Arbeitskräfte werden dadurch am 
besten ausgenutzt, die Gesamtheit zu höchster Leistung gebracht. 
Selbst Personen mit geringster Begabung finden wohl noch zur Be- 
dienung einer Maschine in einer Werkstatt oder in der Hausindustrie 
einen Platz, wo sie etwas zu schaffen vermögen, wie früher in aus- 
yedehntem Maße die Kinder in dem zartesten Alter zur Mitarbeit her- 
angezogen wurden, bis es gesetzlich untersagt wurde, und hoffentlich 
noch weitergehend namentlich in der Hausindustrie untersagt werden 
wird. Durch erweiterte Anwendung der Maschine und Arbeitsteilung 
ist man in Amerika imstande, billigere, ungelernte Arbeiter anzustellen, 
wo man bei uns gelernte. selbst höher gebildete anwendet, die weit 
jeuerer sind, 
_ 8. Da ein Wechsel in der Arbeit meist mit Zeitverlust verbunden 
ist, wird durch Konzentrierung der Tätigkeit Zeit und Mühe erspart. 
Der einfache Handarbeiter findet bei dem Uebergang zu anderer Tätig- 
keit Gelegenheit sich auszuruhen, der geistige Arbeiter braucht bei 
dem Uebergange zu einer anderen Aufgabe Zeit, um sich in das Neue 
hineinzufinden und sich genügend zu konzentrieren. Wenn dagegen die 
Arbeit so organisiert ist, daß verschiedene Arbeiter sich in ihrer Tätigkeit 
ergänzen, die ineinander eingreift, so wird die Leistung jedes Einzelnen 
außerordentlich erhöht. Dies kann man in der Spielwarenbranche 
oder bei der Fabrikation künstlicher Blumen, in der Stahlfederfabri- 
Conrad. Grundriß der polit. Oekonomie. I. Teil. 8. Aufl. 
Vermeidung 
des Wechsel 
der Beschät- 
tigung.
	        
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