fullscreen: Die Arbeiterfrage

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ralischer, und im allerschlimmsten Falle handle ich im Geiste 
der Vergeltungsmoral; in Zeiten der höchsten Not und Gefahr 
drohe ich dir mit sozialem Zwang, das heißt, mit sozialer Ar 
mut. Allein physisch dich nötigen, meinen Willen kundzutun, 
widerstrebt nicht nur meinem eigensten Wesen, sondern steht 
auch außer meiner Macht und würde meinen Selbstmord be 
deuten* 
Dieldeale der Zukunft führen uns zum Reiche der Hoffnung, 
und gerade dieser Strom der Erwartung und Hoffnung ist es, 
der das Große in der Welt zustande gebracht hat. Man sehe 
z. B. die Arbeiterklassen in Gegenden, wo die Organisationen 
keinen Fuß gefaßt haben, wie dort die Arbeiterklasse geistig 
langsam stirbt, wie alles Licht in deren Antlitz erloschen ist. 
Mag es Illusion sein, der „Sozialismus“, das, was man Illusion 
zu nennen pflegt, macht aber den größten Teil des Lebens aus, 
verleiht ihm seinen Wert oder Unwert. Da schreibt ein ,Tex 
tilarbeiter: „Vom Sozialismus erhoffe ich die Erlösung der 
schmachtenden Menschheit. Von ihr hoffe ich immerwährenden 
Frieden, Freude, Freiheit und Gerechtigkeit. Schon sehe ich 
Funken von dem Morgenrot einer neuen Zeit, und vielleicht 
steigt bald die Frühlingssonne der Zukunft über den dunk 
len Horizont der Gegenwart empor. Diese Hoffnung ist mein 
Glaube. Sie ist der Quell, aus welchem ich die Widerstands 
kraft zur Ertragung meiner Qualen und Leiden schlürfe.“ etc. 
Ein Metallarbeiter: „Kein Einsamer bin ich, der im Glücke 
seiner Familie alles fand. Die Arbeiterbewegung des Jahres 
1890, das Ringen des vierten Standes nach Beachtung und 
Anerkennung erfaßte auch mich. Hingerissen von der Macht 
ihrer Idee, hineingerissen in den Strom ihrer Bewegung, mußte 
ich ihr dienen. Ich diene ihr mit allen Fasern meines glühenden 
Herzens. Mit dem Stifte in der Hand will ich ihr dienen und 
dem Fortschritt und dem Geiste diene ich, der die Materie 
zwingt.“ Ein Schlosser: „Der Zukunftsstaat der Sozialdemo 
kratie wird kommen, muß kommen. Ich halte den sozia 
listischen Zukunftsstaat für eine Kulturepoche wie jede andere 
vorhergegangene, die ihre Zeit zur Entwicklung braucht, wie 
diese. Es mag die Hoffnung berechtigt sein, daß in unserer 
Zeit Umwälzungen schneller vor sich gehen können, als 
* David Kolgen.
	        
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