Object: Die sociale Lage der Handlungsgehülfen und ihre Verbesserung durch die kaufmännischen Vereine

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bemittelten wird, folgt dann die ungeheuere Konkurrenz, welche sich diese 
Unbemittelten, die doch die große Masse der Bevölkerung bilden, unter 
einander überall machen. Es scheint beinahe nicht genug Erwerbsgelegen 
heit mehr für diese Anzahl strebender Menschen da zu sein, weil sich die 
meisten von ihnen nur auf die Jagd nach unselbständigen Stellen werfen 
müssen und kein erleichterndes Vorrücken zur massenhaften Selbständigkeit, 
mehr stattfindet. Aus diesen inneren Ursachen ergiebt sich Dasjenige, was man 
heutzutage, rein äußerlich betrachtet, die „Überfüllung" nennt, die nicht bloß 
für die gewerblichen, sondern auch für die gelehrten und geistigen Berufe 
höherer und niederer Art, wie für die Beamtenlaufbahn Thatsache ist. Weil 
die Gewerbe nicht mehr alle Menschen versorgen konnten, glaubten sich die 
Unbemittelten eine Zeit laug mit besserem Erfolg auf die Beamteucarriören 
jeden Grades werfen zu müssen. Diese Erscheinung dürfte nebenbei ein 
Beweis dafür sein, daß höhere Anforderungen an die Vorbildung selten 
diesen Zudraug abhalten können; denn die Unbemittelten überwinden in 
der Hoffnung auf bessere Versorgung auch diese Hindernisse noch durch 
gesteigerte Entbehrungen und höheren Eifer. Dazu kommt, daß aus den 
oben angeführten Gründen kapitalkräftige Konkurrenten in allen Branchen 
oft auch noch eine ganze Anzahl mittlerer Arbeitgeber-Existenzen ruinieren. 
Diese letzteren werden mitsamt ihrem Personal erwerbslos und vermehren 
den Zudrang der Unselbständigen, welcher ohne alles Zuthun der Arbeit 
geber jeden Gewerbes die Verdienste herabdrückt, die Arbeitszeiten verlängert 
und die Kündigungsfristen verkürzt, weil ein Gehülfe oder Arbeiter immer 
den andern zu verdrängen suchen muß durch noch größere Gefälligkeiten 
gegen den Unternehmer. Die Thatsache, daß immer mehr Handarbeit 
sparende Maschinen angewendet und dadurch die menschliche Arbeitskraft 
überflüssiger und wertloser gemacht wird als früher, geht nebenher und 
vergrößert die Masse der Unselbständigen und Arbeitsuchenden. 
Bei dieser allgemeinen Überfüllung konnte natürlich das kaufmännisch 
Gewerbe nicht leer ausgehen. Dasselbe lockt die Unbemittelten noch ganz 
besonders dadurch an, daß es eine gesellschaftlich etwas höhere Stellung, 
als diejenige des Hülssarbeiters bei der Produktion gewährt, und daß die 
vielen kleinen Detailgeschäfte den Anschein erwecken, als sei hier doch 
noch eher, als anderswo, zu einer gewissen Selbständigkeit zu gelangen. 
Nebenbei führt die Einrichtung des Einjährig-Freiwilligen-Dienstes dem 
Kaufmannsstande manchen jungen Mann mehr zu, der recht gut für eine 
Thätigkeit in der Produktion getaugt hätte, nach gemachtem Examen sich 
aber fälschlich für zu gut dafür hält, andererseits fühlt, daß er höheren 
geistigen Anforderungen doch nicht genügen kann, und nun als vermeintlich 
richtigen Mittelweg den kaufmännischen Beruf wählt. Es mag also sein, 
daß der kaufmännische Beruf, dem sich (nicht gerade zur Hebung seiner 
Standesehre) auch gescheiterte Hausknechte, Kutscher, Schreiber und Metzger 
burschen zuwenden, einen Grad mehr überfüllt ist, als andere Erwerbsarten. 
Doch ist dies eben nur ein gradueller, kein wesentlicher Unterschied. Die 
letzten wirtschaftlichen Ursachen, die oben zu skizzieren versucht wurden, 
sind solche, die in der Umwälzung des modernen Verkehrs durch die Technik 
liegen. Daher leitet sich auch dasjenige, was sich von den allgemeinen Er-
	        
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