Waffengänge Osterreichs u. Preußens; Preußen enrop. Großmacht. 817
aktiven Verbindung der Reichskreise gegen den Kaiser gehen,
so sah er sich freilich, wie schon öfter in der Energieberechnung
der Reichsstände, getäuscht. Wo sollten im Reiche noch so
kräftige Außerungen von Gunst und Ungunst, ja auch nur von
Furcht und Hoffnung herkommen? Nur der junge Kurfürst
von Sachsen, durch seine Mutter Maria Antonie, eine bayrische
Prinzessin, unmittelbar beteiligt, verband sich mit Friedrich
und stellte ihm für einen etwa nötig werdenden Feldzug
21000 Mann zur Verfügung.
Denn in der Tat: Friedrich war entschlossen, vom Leder
zu ziehen, weniger zur Rettung der Reichsfreiheit, auch nicht
um im Reiche Einverleibungen vorzunehmen, sondern in rein
preußischem Interesse: zur Bekämpfung der von neuem drohenden
UÜbermacht der österreichischen Herrschaft. Bevor aber der
Krieg begann, kam es, zumeist auf Veranlassung des Prinzen
Heinrich, noch zu langen Verhandlungen mit Osterreich, die
schließlich scheiterten, da die Österreicher nicht recht an den
Kriegsernst des Königs glaubten: eine schlechte Vorbedeutung
für den Feldzug selbst.
Dieser Feldzug, der sogenannte Kartoffelkrieg, ist denn
wirklich tragikomisch genug verlaufen; Friedrich hat seine Zeit
später niemals als Kriegsjahr gelten lassen wollen. Zwei
preußisch-sächsische Heeresmassen ergossen sich unter der Führung
des Prinzen Heinrich und des Königs von der Elbe und von
Schlesien her nach Böhmen hinein, um unter mannigfachen
gegenseitigen Mißverständnissen, die das Verhältnis der beiden
Bruüder dauernd trübten, im Grunde nichts zu erreichen: es war
nach Friedrichs Ausdruck eine insipide Kampagne.
Inzwischen aber hatte sich doch gezeigt, daß Osterreich
dem Erwachen des greisen preußischen Helden mit Schrecken
entgegensah. In der ersten überraschung, kurz nach Beginn
des Einmarsches in Böhmen, hatte die alte Kaiserin, ohne
Wissen des Kaisers, durch den Baron Thugut gleichsam
persönlich Frieden angeboten — in dem ersten Handschreiben,
das sie an den König richtete: ihr Mutterherz sei beunruhigt;
Preußen und Österreich müßten wieder in gutes Einvernehmen