Full text: Rationalisierung als Kulturfaktor

V. Anwendungsgebiete der Rationalisierung — 4. Der Handel 99 
spruchen. Vielleicht wird die Standardisierung der Produktion auf 
die Verringerung der Typenzahl in manchen Handelszweigen hierbei 
einen Einfluß ausüben. In einzelnen Gewerbegruppen findet be⸗ 
reits eine wechselseitige Beeinflussung von Produktion und Vertrieb 
bei der Auswahl und Festlegung der Typen statt. Dies trifft vor 
allem für die Modegewerbe zu, in denen vor einer neuen Aus⸗ 
musterung jedesmal die Vertreter der Produzenten und des Handels 
zusammenkommen, um sich über Zahl und Art der neuen Muster zu 
beraten. So ist z. B. die Zahl der Stehkragenmodelle vor kurzem 
durch das Zusammenwirken von Hersteller und Händler von 300 auf 
7 herabgesetzt worden. Ahnlich ist es bei den Herrenhüten. Auch 
in der Konfektion sind Modeämter ins Leben gerufen worden, die 
vorerst für den Bedarf jeweils einer Saison eine Verringerung der 
Typenzahl vor allem für die männliche Berufskleidung vorgeschlagen 
haben. Der Einzelhandel erwartet von einer solchen Verringerung 
eine Vermehrung und Verbilligung der Herstellung, die allmählich 
auch eine Verbilligung des Endpreises herbeiführen soll. Damit 
kann und soll auch die Gewährleistung bestimmter und guter Quali⸗ 
taͤten durch den Handel verbunden werden. 
Ein besonderer Zweig der Rationalisierung im Handel stellt schließ⸗ 
lich die Schulung des Verkaufspersonals dar, die zu einer gesteigerten 
Anpassung der Verkaufspraxis an die wirtschaftliche und kulturelle 
Umschichtung der Verbraucherschaft führen soll. 
Alle diese Maßnahmen sollen in erster Linie dazu dienen, die un⸗ 
rationelle und veraltete Lagerhaltung im deutschen Einzel⸗ und Groß⸗ 
handel zu verringern. Der deutsche Handel unterhält nach sachver⸗ 
ständiger Berechnung ein Lager für mindestens 10 Milliarden 
Reichsmark, dessen Umschlagsschnelligkeit gegenüber der Vorkriegs⸗ 
zeit sich zweifellos verlangsamt hat. Für 5 Mark Umschlag müssen 
rund 2 Mark Lager gehalten werden. Dies bedeutet eine enorme 
Festlegung des deutschen Betriebskapitals, die um so bedenklicher 
ist, als in den Vereinigten Staaten nur rund 2/, unserer Lager⸗
	        
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