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B. Betrachtungen
meister der Erde, der Städte, die neue Erdteile erschlossen haben; sie —
nicht jene (die jüdische Rasse), die niemals Aufbauer und Bahnbrecher
waren, niemals als erste den Fuß in Urwald und Wildnis setzten.“
Kein Wunder, daß Old Henry angesichts solchen Glaubens in die Sen⸗
dung seines Volkes nun auch von seiner eigenen Mission ergriffen
ist, sich gesandt fühlt, die Welt durch „ervice“ für ihn zu refor⸗
mieren, für Gott, der auch den Pilgervätern einst befahl, das Reich
Gottes mit den Geldern einer Aktiengesellschaft unter Ausnutzung
aller Möglichkeiten und Mittel der kapitalistischen Organisation zu
verwirklichen und es zu einem „fröhlichen Tummelplatz“ der Auser⸗
waͤhlten zu machen.
Daß auch der Eifer Fords gegen die Verschwendung in jeder Form,
sein Haß gegen den Luxus, puritanischer Prägung ist, bedarf kaum noch
eines besonderen Beweises. Wie bei Baxter, Defoi und Barrow,
den Predigern altpuritanischer Lebensführung, finden wir auch bei
Ford den Widerwillen gegen die Vergeudung, das Mißtrauen gegen
die Unbekümmertheit des unbefangenen Genießens, seine Warnung
vor dem „Hang zur Schwere“ (Rentnertum), seine Hochschätzung des
erarbeiteten und arbeitzeugenden Reichtums, d. h. des Kapitals, seine
Verachtung andererseits des „Schätzesammelns“, des „toten Geldes“,
des ererbten Vermögens, sein Lob des Komforts, seinen Tadel des
Luxus, seine Abneigung gegen „die Sachverständigen“ und Diplo⸗
mierten („Titeljäger“) usw. usw.). Was ist schließlich sein Lob der zur
Idealnorm emporgesteigerten Einförmigkeit der Warengestaltung,
sein Wille zum Typus, anderes als ein ins Wirtschaftliche übertra⸗
gener Ausdruck puritanischer Lebensregelung. Heinz Marr hat völlig
recht, wenn er schreibt: „Wäre aber Herr Ford Gott selbst, er würde
ganz gewiß nur einen Typus Mensch dulden, mit verschiedenen Pferde⸗
staͤrken zwar, vielleicht auch mit verschiedenen Karosserien, aber so
konstruiert, daß das puritanische Idol des massenmäßigen Normal⸗
x) Heing Marr, Die Moral des Fordismus in, Ford und wir“, Verlag Spaeth
und Linde, Berlin⸗Wien, 1926, S. 74/75.