Full text: Handbuch der vergleichenden Statistik- der Völkerzustands- und Staatenkunde

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ITALIEN, — Sociales. 
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c) Unteritalien. Die Lebensweise des Volks ist dürftig und 
schmutzig. So fruchtbar der Boden (war doch Sicilien die Kornkammer 
Roms), so vernachlässigt erscheint der Anbau desselben. Die Felder 
Werden vielfach nur alle 2 — 3 Jahre bestellt. Der Landmann ist nicht 
freier Eigenthümer. Das Gewerbswesen steht auf sehr niedriger Stufe, 
wie man überhaupt fast nur in den Städten einige Handwerker trifft. — 
Geistlichkeit und Adel sind die übermächtigen Stände. 1834 
zählte man im Königreiche Neapel allein 14 Erzbischöfe, 06 Bischöfe, 
26,800 Weltgeistliche, 11,730 Mönche und 9,520 Nonnen! Die Ein 
künfte des Klerus wurden 1820 auf 9 007,390 Duc. berechnet. — Der 
sicilianische Adel besteht aus 61 Herzogen, 117 Fürsten, 217 Markisen, 
über 1000 Baronen und 2000 einfachen Adeligen. Ein Einkommen von 
mehr als 3 Mill. Duc. dient auf der Insel nur zum Unterhalte von 7600 
Geistlichen (wie dies hervorgeht aus dem von den geistlichen Corpora- 
tionen selbst im Jahre 1842 aufgestellten Stato di attività e passività). 
I)^gcgen nimmt man an, dass % der Sicilianer Bettler sind. Im J. 1820 
fanden sich auf der ganzen Insel nur 5 Buchdruckereien (nebenbei ein 
Zeichen, wie wenig die zahlreiche Geistlichkeit in und ausser den 
Klöstern sich mit Literatur beschäftigte). — Nach einer wie es scheint 
amtlichen Notiz zählte man im Febr. 1861 im ehemal. Königr. Neapel: 
1020 Mönchs- und 272 Nonnenklöster, mit 13,611 Mönchen und 8001 
Nonnen. Von den Mönchen hatten 4712 ein Einkommen von 4*555,968 
Lire, während die übrigen 8899 vom Almosen lebten. Die Einkünfte 
der Frauenklöster beliefen sich auf 4*772,794 Lire. — Besondere 
Schwierigkeiten findet die Herstellung eines genügenden Schulwesens. 
Die Erhebungen unter der neuen Regierung ergaben, dass von 3094 
Gemeinden, welche nach Einwohnerzahl und Bedeutung jedenfalls Pri 
märschulen besitzen sollten, 1084 deren ganz entbehrten, und dass an 
900 Schulen der Unterricht durch Individuen ertheilt wurde, welche 
selbst der Elementarkenntnisse ermangelten. Mit vielen Lehrstellen war 
keine höhere Besoldung verbunden als 18 Ducati (etwa 21 Thlr.) jährl. 
Die gesammte Staatsausgabe für den Primärunterricht belief sich aber 
auch nur auf etwa 1 12,000 Ducati. Die Zahl der Schüler stand zur 
Bevölkerung im Verhältnisse von 1 zu 1000. 
J/öwzfin, Maaaa und (Jevicht sind im Allgemeinen die französischen. Der 
rranc heisst I.ira. (Die frühere toscanische Lira hatte nur den Werth von 84 
Cent. ; noch geringer waren die alten Lire von Parma und Modena). In Nea 
pel rechnete man nach Ducati. Der Ducato ward in lO Car lint und. 100 (Irant 
getheilt. Sein Silbergehalt sollte sein = 1 Thlr. 4 Sgr. 4,05 Pf. preuss., war 
aber wirklich 1 Ihlr. 3 Sgr. 11,65 Pf. — Auf Sicilien rechnet man im Privat 
verkehre noch nach Onde, zu 30 Tari à 20 Grani; die Oncia = 3 Thlr. 11 Sgr. 
10,94 Pf. — Längemaass : der Valmo, in Neapel 0,26455, auf Sicilien 0,258098 
'let., also 0,8429 u. 0,82235 preuss. Fuss. — Feldmaass: in Neapel der ^log- 
yu) = 0,2741 preuss. Morgen. — Oetreidemaass : in Neapel der Tomolo zu 
«‘>5,55 Liter oder 1,0106 preuss. Scheffel, in Sicilien zu 17,19 Lit. oder 0,3128 
Schff. Die sicil. òalnia hat 16 Jomoli. — \\ einmaass : der Itarile, in Neapel zu 
6,635, auf Sicilien 0,5 nreuss. Eimer. — Gewicht: in Neapel das Pfund zu 
320,759 Gramm, auf Sicilien der liotolo zu 793,4 Gr. — Trotz aller Bemühungen 
der Polizei hat sich im Privatverkehr, namentl. auf Sicilien, die alte Rechnungs 
weise beim Maass, Gewicht und Geld erhalten.
	        
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