Full text: Rationalisierung als Kulturfaktor

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B. Betrachtungen 
geschehen. Es ist unertraͤglich, daß jeder das Recht haben soll, das 
Interesse der Gemeinschaft wirtschaftlich beliebig zu schaͤdigen. „We⸗ 
sentlich im Gemeinschaftsinteresse ist es, daß nicht Hunderttausende 
von Händen und Köpfen mißbraucht werden, um durch Warten, 
Anpreisen, Sortieren, Reisen, Überlisten und Uberreden den Gang 
der Ware zu begleiten; daß nicht in ungezählten Groß⸗ und Klein⸗ 
und Zwischenlagern Milliarden des Nationalvermögens sich zinslos 
und nutzlos stauen )“. Die Gesamtheit wird zu überlegen haben, „ob 
durch Genossenschaften von Erzeugern, Händlern und Verbrauchern, 
durch Vereinbarungen über Musterbeschränkung, Gemeinschafts 
läger, ... durch Rationalisierung der Kleinverkaufsstellen und 
Festlegung der Zwischenarbeit wie der Zwischengewinne die Handels⸗ 
methoden und Gebräuche des Landes umzugestalten sind, um 
ungezählte Arbeitskräfte produktiv zu machen, Lageransammlun⸗ 
gen, Warenverderb und Verteuerung zu vermeiden“. „Ohne Auf—⸗ 
schub sind Mißstände abzustellen, die die Freizügigkeit des Kapitals 
betreffen *x)“. Alle physischen und geistigen Kräfte, die bisher zu 
einem guten Teil gegeneinander gewirkt haben, sollen sich fortab 
freiwillig zum Dienst am Ganzen vereinigen oder nötigenfalls vom 
Staate zu dieser Vereinigung gezwungen werden. „Das ist hart für 
ein Volk, das in Entschlüssen sich nicht selbst vertraut und alles vom 
ererbtem Obrigkeitsgeist verlangt, hart, doch unumgaͤnglich, wenn 
man an die Menge von Sonderinteressen denkt, die sich schon einen 
kräftigen Eingriff und eine starke Einschränkung werden gefallen 
lassen müssen. Nur eine weitblickende und entschlossene Autoritäͤt 
wird beschraͤnkten oder eigennützigen bösen Willen unter die Formel 
zu beugen verstehen, die die Richtschnur von morgen bilden soll: „Die 
wirtschaftliche Organisation ist keine Privatsache mehr, sondern nur 
noch eine Sache der Gesamtheit *xxY. 
x) Walther Rathenau, a.a.O., S. 287. 
xx) Walther Rathenau, a.a.O., S. 288/89. 
xxx) Walther Rathenau, Die neue Wirtschaft, S. 204.
	        
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