Full text: Rationalisierung als Kulturfaktor

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seines Ruhmes und seiner Herrlichkeit“ wertet. Salus publica su- 
prema lex (des Staates Wille ist oberstes Gesetz) gilt auch für seine 
Eigengesetzlichkeit. 
Das gleiche gilt cum grano salis auch für die Wissenschaft. Auch 
hier bedeutet die ungeheure Arbeitsteilung für jeden ernsthaften 
Forscher ein schmerzlich empfundenes und schwer zu tragendes Übel, 
das ihn nötigt, zahllose Tatsachen und Methoden als objektive 
Gegebenheiten und Gültigkeiten unkontrolliert von anderen zu über⸗ 
nehmen. Man beachte vergleichsweise, daß die Erfinder zu Beginn 
des 19. Jahrhunderts nicht nur die Maschinen, die sie ersannen, selbst 
und oft ohne jede Beihilfe anderer bauten, sondern meist auch die 
Werkzeuge, die sie hierzu benöͤtigten! Simmel bezeichnet in seiner 
„Philosophie des Geldes“x) den heutigen Zustand in der Wissenschaft 
als „eine Trennung des Arbeiters von seinen Arbeitsmitteln im 
weiteren Sinne“. 
Die technisch⸗soziale Tatsache der Trennung des Arbeiters von 
—D 
zweierlei Hinsicht geltend: In der zunehmenden Entwicklung der 
Arbeitskraft zur Ware und in der fortschreitenden Entfremdung des 
Produzenten vom Konsumenten. In dem gleichen Maße, in dem das 
Arbeitsmittel von den persönlichen Eigenschaften desjenigen, der sich 
seiner bedient, unabhängig ist, hat sich einerseits die Vertretbarkeit 
des Arbeiters oder doch mindestens seiner subiektiven Qualitäten 
durch andere gesteigert, andererseits der Warencharakter der Arbeit. 
Die Arbeit, die nun „Charakter, Bewertungsweise, Entwicklungs⸗ 
schicksale mit allen Waren überhaupt teilt“, ist „dem Arbeiter selbst 
gegenüber etwas Objektives geworden, etwas, das er nicht nur nicht 
mehr ist, sondern eigentlich auch nicht mehr hat“ (Simmel). Nichts 
vermag diesen Zustand besser zu verdeutlichen als die Tatsache, daß 
es einen „Arbeitsmarkt“ gibt, in manchen europäischen Sprachen auch 
„Arbeitsbörse“ genannt, auf dem die Ware „Arbeitskraft“ nach 
x) Verlag Dunder KeHumblot, Leipzig 1907, S. 515. 
B. Betrachtungen
	        
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