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Typen gehandelt wird wie Getreide, Kaffee oder Kautschuk auf den
nach ihnen benannten Märkten. Die Entpersönlichung, die hierin
zum Ausdruck kommt, ist schlechthin vollkommen, die Trennung des
Arbeiters von seinem Handelsobjekt, Arbeitskraft“ restlos vollzogen.
In den letzten Jahrzehnten ist diese Entwicklung von der kon sum⸗
politischen Seite her nun noch wesentlich verschaͤrft worden durch
— Fabrikbetrieb. Zwar
bestand der ökonomische Gegensatz zwischen Produzent und Konsument
seit Beginn der kapitalistischen Epoche im Handwerk nicht minder als
m Großbetrieb — das Sprichwort „Handwerk hat goldenen Boden“
weist mit erfrischender Naivität auf die kapitalistische Gesinnung auch
des Handwerks hin —, Charakter und Qualität der Ware waren
jedoch mindestens nicht ausschließlich nach Geld und Geldeswert
orientiert. Denn in der Kundenarbeit für einen bestimmten Kon⸗
sumenten und nur für ihn löste die Ware eine Wechselwirkung zwischen
Produzenten und Konsumenten aus, ein vielfältiges Hin und Her
der gegenseitigen Beziehungen, die von der Warenseite her stets
lebendig erhalten wurde. Der Charakter der Ware, ihr „Gesicht“
sozusagen, von einem einzelnen oder doch von einer wenig speziali⸗
sierten Arbeitsgemeinschaft nach den Weisungen eines einzelnen ge⸗
formt, wurde ebensosehr von den Wünschen des Kunden wie von dem
Gestaltungswillen des Produzenten bestimmt. Als solcher blieb er der
unmittelbare Ausdruck einer Person oder einiger weniger Personen,
ein Gebilde, das „ohne seine Objektivität zu verlieren, in dem Voll⸗
endungsprozeß von Subjekten als dessen Weg oder Mittel einbe⸗
zogen werden konnte“.*)
Das anderte sich erst, als die Arbeitsteilung das Produkt zu einem
Sammelbecken verschiedenartiger manueller und maschineller Kraͤfte
machte, zu einer Vereinigung anonymer Energien, deren Betaͤtigung
und Bewährung ausschließlich auf das Produkt gerichtet waren, auf
seine Marktgängigkeit, auf seine „Konjunktur“ — ein in der hand⸗
x) Simmel, Philosophische Kultur, S. 224.
II. Rationalisierung und Ethik