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„Die Zigarettenstrangmaschine hat eine Seele ()), Pflicht des
Maschinenführers ist, sie nicht zu verstimmen“.
Soweit dennoch eine seelische Loslösung der Arbeiters von seiner
Arbeit erfolgt, kann sie in der Berufs⸗ oder doch in der sonstigen
Lebensgestaltung anscheinend unschwer kompensiert werden. „Wie
dem alten Dogma von der übermäßigen Freisetzung von Arbeitern
durch die Maschine eine oökonomische Kompensationstheorie entgegen⸗
gestellt worden ist, die darauf hinweist, daß der von einer Stelle durch
die Maschine verdrängte Arbeiter entweder mit der Erweiterung des
Absatzmarktes infolge der durch die Maschine gesteigerten Produktivitaͤt
mit der steigenden Nachfrage nach Arbeitskräften zur Herstellung der
Arbeitsmaschinen an einer anderen Stelle der Volkswirtschaft (selbst
wenn diese nicht dynamisch ständig wüchse) wieder Arbeitsgelegenheit
findet, so kann man auch dem seelischen Verelendungsdogma in der
rationalisierten Arbeitswelt eine sozialpsychische Kompensations⸗
theorie entgegenstellen ).“
Eines der wirksamsten Mittel zur Kompensierung der durch die
Mechanisierung entstandenen Arbeitsnot ist zweifellos die Erweckung
und Starkung des Bewußtseins, für die Gemeinschaft wichtige Dienste
zu leisten. De Man sagt hierüber: „Die Berichterstatter entgehen den
schlimmsten Wirkungen der Arbeitsteilung auf Grund der geistigen
Richtung, die mit ihrer Teilnahme an der Arbeiterbewegung zusam⸗
menhangt.“ „Als Sozialist konnte ich“, schreibt ein Krankenkassen⸗
angestellter, „gerade den unteren Schichten gegenüber, denen ich selbst
entstamme und angehöre, helfend gegenüberstehen“. Ein Handlungs⸗
gehilfe erklaͤrt: IIm Konsumverein finde ich im Gedanken an das
Schaffen für eine große Gemeinschaft eine Freude, obwohl ich mich
dabei durch die Arbeit selbst ganz nicht befriedigt fühle.“ Ein Setzer
empfindet bei seiner Arbeit in einer sozialistischen Zeitungsdruckerei
größere Arbeitsfreude in dem Gefühl, „daß für die Allgemeinheit ge⸗
II. Rationalisierung und Ethik
x*x) W. Zimmermann, Reichsarbeitsblatt 1926, Nr. 44, S. 782.