Full text: Rationalisierung als Kulturfaktor

II. Rationalisterung und Ethik 167 
Es mag dahingestellt bleiben, ob die Rationalisierung der Sexual⸗ 
gemeinschaft die Grenzen des ethisch zu Billigenden in der Mehrzahl der 
Faͤlle nicht überschreitet, ob tatsächlich nur wirtschaftliche Enge, soziale 
Not, körperliche Schwaͤche die Veranlassung zur künstlichen Geburten⸗ 
enthaltung bilden oder nicht auch und vielleicht in viel stärkerem Grade 
noch der schwindende Wille zum Kinde, die Denaturierung der Frau. 
Jedenfalls hat die Schonung der mütterlichen Kräfte bereits eine 
nennenswerte psychische und körperliche Aufwertung der Frau und 
der von ihr geborenen Kinder zur Folge gehabt — ein vom Stand⸗ 
punkt der Menschheitsentwicklung hoher Gewinn. Kulturlos und 
banausenhaft ist es jedoch, diese Entwicklung sub specie bconomicae 
zu würdigen. Ein Satz wie: „Den Produktionsausfall an Kindern 
ersetzt der Menschheit vorerst die Mehrproduktion von Frauenhand“ 
Hirsch, S. 28) zeigt die seelische Trostlosigkeit einer Zeit, die selbst das 
geheiligte Geheimnis der Menschwerdung in erster Linie unter wirt⸗ 
schaftlichen Gesichtspunkten beurteilen zu müssen glaubt.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.