Full text: Rationalisierung als Kulturfaktor

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B. Betrachtungen 
Immerhin halten Peter Behrens und seine Zeitgenossen — die 
AEG⸗Bauten sind in den Jahren 1900 - 12 entstanden — noch an der 
künstlerischen Interpretation des Zweckes durch die Form fest. Die 
zeitgenössische Architektengeneration dagegen hat jedwede Formal⸗ 
ästhetik aus den Prinzipien der Architektur verbannt. Nicht mehr 
von der Seele des Architekten, auch nicht vom formalen Ausdrucks⸗ 
bedürfnis des Bauherrn aus soll der Bau gestaltet werden. Einzig 
und allein die praktischen Gegebenheiten sollen hierfür bestimmend 
sein. Unter deutlichem Bezug auf den Typ des Fordschen Autos 
erklärt einer der Wortführer dieser Gruppe, der Schweizer Le 
Corbusierx): Ein Bautypus solle gefunden werden, „der anerkannt 
wird, als entsprechend den Funktionen der Maximalleistung, dem 
Verbrauch geringster Mittel, der wenigsten Handgriffe und des 
geringsten Materials: an Worten, Tönen, Farben, Formen“. Die 
rationalste Bauleistung, der „Bau an sich“, das „Standardgebäude“ 
soll jene aͤsthetischen Funktionen erfüllen, die ehedem der Rhythmus 
der Bauglieder, die Formen und Ornamente zu leisten hatten. Der 
Unterschied zwischen Organisator, Konstrukteur, Ingenieur und 
Architekt ist in dieser „KLunst“ völlig aufgehoben. Der Dienst an der 
Ordnung und Allgemeingültigkeit tritt an die Stelle des Dienstes an 
der aͤsthetischen Idee. 
Das politisch⸗soziale Spiegelbild dieser rationalistischen Kunst⸗ 
auffassung ist der Kollektivismus. Der typische Bau, die typisierte 
Wohnung wurzeln ihrer Idee nach in dem Bewußtsein und Willen 
des Erbauers wie der Bewohner, sich restlos der menschlichen Gemein⸗ 
schaft ein⸗ und unterzuordnen. Der Gegenpol hierzu ist der Funktional⸗ 
bau, die Individualwohnung, die aus der Einfühlung des Architekten 
hervorgegangen sind. Diese Einfühlung mag die Einordnung des 
Pantheisten in die Natur sein, ein Sichauflösen in das Allgemeine und 
Kosmische, — sie wird trotzdem die Vereinzelung nicht aufheben 
können, in der der Erbauer gestaltet! „Denn Einordnung in die 
x) Zitiert bei A. Behne, a.a. O., S. 54.
	        
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