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. Tatsachen
produktion und Arbeitslosigkeit hatte. In einer offiziellen Erklärung
des Arbeitsminsteriums der Vereinigten Staaten vom Frühjahr
—E
empfänger von 1925 — 1928 von 25 222 742 auf 23 348 692 abge⸗
nommen hat, also um 1 874 oso Personen. Hierbei sind noch nicht mit
berücksichtigt die Arbeitslosen, die schon 1925 vorhanden waren, und
der natürliche Zuwachs der arbeitsfähigen Bevölkerung. Da jede
von diesen beiden Gruppen eine Million übersteigt, wird man die
Zahl der in den Vereinigten Staaten gegenwärtig Arbeitslosen mit
rund vier Millionen veranschlagen müssen. An dem Zustande dieser
außerordentlich hohen Zahl sind sowohl strukturelle als auch kon⸗
jnkturelle Ursachen beteiligt: Die Ausschaltung zahlreicher Arbeits⸗
kraͤfte durch die fortschreitende Maschinisierung, in viel stärkerem Maße
aber noch das Mißverhaltnis zwischen Produktionskapazität und
Konsum).
Auch in den übrigen Industriestaaten der Welt ist bei einer ver⸗
stärkten Durchführung der technischen Rationalisierung eine aͤhnliche
Entwicklung zu erwarten, die zu schweren Krisen zunächst innerhalb der
einzelnen nationalen Wirtschaften, dann aber auch auf dem Weltmarkt
zu führen droht. Die unmittelbare Folge wird die Verschärfung
protektionistischer Tendenzen sein, die stets bei Produktionskrisen Hand
in Hand gehen. Jeder Staat sucht seine UÜberproduktion soviel wie
möglich durch Steigerung des Warenabflusses nach fremden Maͤrkten
zu vermindern, gegen die sich diese Märkte ihrerseits durch Errichtung
von Hochschutzzollmauern wehren. Dumping⸗ und Antidumping⸗
maßnahmen, die Einführung von Kampfzöllen aller Art folgen ein⸗
ander. Die Weltwirtschaftsgeschichte der letzten Jahre lehrt, wie sehr
die Uberproduktion in den maßgebenden Industriestaaten den Pro⸗
tektionismus gefördert hat — jenen Protektionismus, den die gleichen
Industriestaaten auf der Weltwirtschaftskonferenz in Genf im Jahre
x) Vgl. Georg Deder, Amerikanische Arbeitslosigkeit in „Die Arbeit“, 1928,
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