V. Anwendungsgebiete der Rationalisterung — 2. Die Industrie 81
98,3, in den bergbaulichen Unternehmungen 97,3, in der Farben⸗
industrie 96,395, in der Braunkohlengewinnung 94,596, in der Stein⸗
kohlengewinnung 90, 196, in der elektrotechnischen Industrie 86,9
und in der Großeisenindustrie 8595 aller Unternehmungen in Konzer⸗
nen vereinigt. Standortsveränderungen durch Produktionsteilung
haben in diesen Konzernen im wesentlichen nur die Trusts durchge⸗
führt, nicht aber die Kartelle. Professor Edgar Salin gibt hierfür
in einer Darstellung der „Standortsverschiebungen der deutschen
Wirtschaft“x) interessante Belege. Danach hat die J. G.⸗Farben⸗
industrie ihre Produktionsteilung vor allem durch betriebliche Speziali⸗
sierung und Zusammenlegung durchgeführt, die Vereinigten Stahl⸗
werke gleichzeitig auch noch durch Stillegung unrentabler Betriebe und
Zechen auf der einen Seite, durch Verbreiterung und Ausgestaltung
ihrer Erzbasis und ihrer Hütten im Siegerland auf der anderen Seite,
die Kalitrusts durch Stillegung von mehr als der Hälfte der Schächte,
durch Ausbau einiger bevorzugter Werke und durch Errichtung von
Neuanlagen, wobei die Stillegungen vor allem Mitteldeutschland be⸗
trafen, während die Ausbauten bzw. Neuanlagen neben Mittel⸗
deutschland auch Baden zugute kamen. Ferner brachte eine starke Ver⸗
schiebung der Linoleumtrust* ), der zwar an Kapitalhöhe nicht mit
den andern wetteifern kann, dafür aber fast die gesamte Produktion
des Industriezweigs (95 90) monopolistisch vereinigt und also örtlich
und betrieblich zu gliedern und neu zu verteilen vermag: Hier hat eine
Durchorganisation groößten Stils stattgefunden, mit dem Ergebnis,
daß heute die Mehrzahl der Fabriken spezialisiert, daß Stapel⸗
linoleum nur noch an je einer Stelle im Norden und Süden Deutsch⸗
lands fabriziert wird, und daß der Hauptteil der Produktion am
günstigsten am rationalen Standort (materialgebunden) konzentriert
ist: in der Gegend von Bremen, wo zu Schiff die benötigten Roh—
x) In „Strukturwandlungen der deutschen Volkswirtschaft, herausgegeben von
Prof. Vernhard Harms, 1. Band, S. 96, Verlag Reimar Hobbing, 1928.
xx) 1907 bestanden 16 Betriebe mit 2568, 1925 11 Betriebe mit 3916 Arbeitern!
Rauecker
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