Full text : Rationalisierung als Kulturfaktor

V. Anwendungsgebiete der Rationalisierung — 3. Das Handwerk 91
Regenerationsmöglichkeit zu bieten, die er benötigt, um wieder zu
sich selbst kommen, Mensch werden zu können. Es ist von größter Be⸗
deutung für das Verhältnis der Geschlechter zueinander, daß der
Frau ausreichend physische Kraft für die Erhaltung ihrer Natürlich⸗
keit bleibt, die unter der niederziehenden Wirkung einer allzu großen
hauswirtschaftlichen Belastung nur zu oft verlorengeht. In dem
gleichen, ja vielleicht in einem noch stärkeren Maße bedürfen auch die
Kinder der „natürlichen“ Mutter, insbesondere waͤhrend des ersten
Jahrzehntes ihres Lebens. Die Paͤdagogik hat die Bedeutung des
mütterlichen Einflusses für die Praäägung des frühkindlichen Charakters
seit langem anerkannt und in immer größerem Umfange Vortraͤge
und Kurse über Hauswirtschafts⸗ und Mutterschaftspflichten in den
höheren Mädchen⸗ und Frauenschulen eingeführt. Auch die Sozial⸗
politik hat damit begonnen, den Schutz der Mutterschaft als ein be⸗
sonderes und wichtiges Gebiet der Sozialgesetzgebung und Ver⸗
waltung zu betrachten. Ebenso hat die Betriebswirtschaftslehre sich
der hauswirtschaftlichen Fragen neuerdings angenommen.

3. Das Handwerk

Noch bis vor kurzer Zeit uberwog in der national⸗okon omischen
Wissenschaft die Meinung, die technische Entwicklung werde das
Handwerk sehr bald überholen. Die Berufs⸗ und Betriebszaͤhlung
bom 16. Juni 1925 hat diese Auffassung als irrtümlich erwiesen.
Gewiß sind eine Reihe selbständiger handwerklicher Gewerbe⸗
zweige, so etwa die Schuhmacherei, die Schneiderei, die Drechslerei,
— Großbetrieb
draͤngende technische Entwicklung nicht unbetraͤchtlich geschädigt worden.
Dagegen hat das Lohnhandwerk (die Störarbeit) auf dem Lande wie
in den Städten zugenommen. Die Zahl der Näherinnen, Stickerinnen,
Strickerinnen, der Wäscherinnen, Plätterinnen, der Fensterreiniger,
Parkettbodenleger usp. war im Jahr 1925 größer als bei der
            
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