Full text: Die Brünner Wollindustrie 1928

fördert, die aus ihrer rheinischen Heimat Modelle neuartiger Maschinen mit- 
brachten. 
In den Dreißigerjahren des vorigen Jahrhunderts trat im Wollengewerbe 
ein vollständiger Umschwung der Erzeugungsrichtung ein. Die Nachfrage 
begann die alten einfarbigen Tuche und Kasimire zu vernachlässigen und wandte 
sich leichten gemusterten Waren mit wechselnder Dessinierung zu. Die Brünner 
Wollwarenerzeuger vollzogen die technische und kaufmännische Umstellung auf 
die Modewarenerzeugung mit besonderer Raschheit und beherrschten eine 
Reihe von Jahren fast konkurrenzlos den für den Absatz von Modewaren maß- 
gebenden Wiener Markt. Für die damalige Bedeutung der Brünner Tuchwaren- 
erzeugung spricht die Tatsache, daß sie um das Jahr 1840 nicht weniger als 
18.000 Menschen beschäftigte. Auch waren in den Brünner Tuchfabriken schon 
24 Dampfmaschinen mit 262 Pferdekräften aufgestellt. Aber auch in jener Zeit 
standen die Tuchfabriken an Umfang der Produktion noch immer weit hinter 
dem Handwerk zurück, das den weitaus überwiegenden Teil der auf dem Brünner 
Platz erzeugten Waren lieferte. 
Um die Mitte des vorigen Jahrhunderts setzte eine neue Periode der Ent- 
wicklung ein, die in verhältnismäßig kurzer Zeit zum Untergang der klein- 
gewerblichen Tucherzeugung und zur Alleinherrschaft der Fabriksindustrie 
führte. Die Fabriken, die sich bis dahin im wesentlichen ‚auf die Versorgung des 
Inlandsmarktes beschränkt hatten, begannen — unterstützt durch das Disagio 
der österreichischen Währung — auf dem Weltmarkte in Wettbewerb zu treten.
	        
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