Full text : Bergwirtschaftliche Arbeitsgemeinschaft

aber auch die Landwirtschaft zieht großen Nutzen daraus, ganz
abgesehen davon, daß sie ohne Rücksichtnahme auf Brennholzgewinnung
 die wirtschaftlich zulässig größte Fläche unter den
Pflug nehmen kann. Für ausgedehnte Gebiete Deutschlands ist
diese Möglichkeit noch nicht eingetreten. Diese gehören demnach
auch zu den schwach bevölkerten und wenig steuerkräftigen, zum
Teil in Widerspruch zu der im Boden steckenden Nährkraft.
Kohlen und Eisen bedingen vorwiegend die Präponderanz der
modernen Staatengebilde auf wirtschaftlichem Gebiete. Beide besitzt
 Deutschland in reichem Maße, aber nur in seiner nördlichen
Hälfte, nicht in seiner südlichen. Und so müßte, wenn nicht eine
wirtschaftliche Verkümmerung dieser letzteren eintreten soll, für
eine möglichst rationelle Ausgleichung dieser Schätze über das
ganze Deutsche Reich gesorgt werden, welches doch nicht bloß
eine nationale, sondern auch eine wirtschaftliche Einheit darstellt.
 Bisher ist aber alles andere geschehen, nur nicht dieses, ja
eher das Gegenteil von dem. Der bekannte, vor einigen Jahren
künstlich hervorgerufene Kohlenmangel, der mit einer Verschleuderung
 der deutschen Kohlen an das Ausland Hand in Hand ging,
hat besonders das südliche Deutschland wirtschaftlich schwer geschädigt.

Ich zweifle nicht, daß monopolitische schädliche Bestrebungen
dieser Art durch das geplante Institut verhindert werden, wie das
auch in der Denkschrift in Aussicht gestellt ist.
Fast noch schlimmere Zustände hat die planlose Eisenüberproduktion
 gezeitigt. Von der Überproduktion spüren wir in Deutschland
 hinsichtlich der Verbilligung des Rohmaterials allerdings
nichts, nur das Ausland hat Nutzen davon. Heute und seit Jahren
bezieht England das Eisen beziehungsweise den Rohstahl zu
wahren Schleuderpreisen, während der inländische Konsument,
der Be- und Verarbeiter von Roheisen und Rohstahl höhere Preise
zu zahlen hat, also in seiner Konkurrenzfähigkeit nicht bloß im
Auslande, sondern sogar im Inlande, und zwar zugunsten des
importierenden Auslandes schwer geschädigt wird.
Diese gegenwärtige Massenproduktion & tout prix ist um so bedenklicher,
 als unsere Vorräte an Eisenerzlagern, mögen sie auch

ı Krahmann, Arbeitsgemeinschaft

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