Object: Die Industrialisierung der deutschen Landwirtschaft, eine neue Phase kapitalistischer Monopolherrschaft

landwirtschaftliche Großbetrieb ersetzt die sogenannten „seßhaften“ 
durch sogenannte „freie” Landarbeiter, Das wäre ja an und für sich 
für die Landarbeiter ein Vorteil, aber nur dann, wenn damit eine 
Befreiung der „freien“ Landarbeiter von den mittelalterlichen 
Sklavenbestimmungen der Deputatisten erfolgen würde, Das ist 
aber nicht der Fall. Der in der Werkwohnung verbleibende „freie” 
Landarbeiter wird zum Abschluß von Tarif- und Arbeitsverträgen 
gezwungen, in denen Deputatentlohnung, Frauenpflichtarbeit, Hof- 
jängergestellung usw. nach wie vor festgelegt sind. Das durch diese 
Umstellung zu erreichende Ziel liegt nur im Interesse der Groß- 
grundbesitzer. Während er nämlich den „seßhaften‘‘ Landarbeiter 
das ganze Wirtschaftsjahr hindurch beschäftigen muß, gibt er dem 
„freien Landarbeiter nur in den Monaten dringender Landarbeit 
{Frühjahrsbestellung, Erntearbeit usw.) Beschäftigung und überläßt 
"hn mit seiner Familie während der übrigen Zeit des Wirtschafts- 
jahres seinem Schicksal, 
Die Rationalisierung der Landwirtschaft überträgt der Maschine, 
besonders im Hackfruchtbau, den wesentlichsten Teil ‘der 
Arbeit, Der deutschnationale Abgeordnete und Großgrundbesitzer 
Schlange -Schöningen schreibt über die dadurch erzielte Ein- 
sparung menschlicher Arbeitskraft in seinem Buche „Rationalwirt- 
schaft und Nationalwirtschaft‘ folgendes: 
„Am augenfälligsten tritt die Menschersparnis durch die moderne 
Technik in Erscheinung bei der Behandlung der Hackfrüchte, die heute 
in einer modernen Wirtschaft nicht mehr wie früher die Möglichkeiten 
einer Menschenbeschäftigung im großen Stile bietet. Am meisten zeigt 
sich das im Kartoffelbau. Es ist heute doch schon so, daß in gut auf- 
gezogenen Kartoffelwirtschaften größere Menschenmengen erst 
zur Ernte die Kartoffelfelder betreten, und auch dann längst nicht 
mehr in dem Maße, wie das früher der Fall gewesen ist. Die Pflanz- 
lochmaschine hat bei der Kartoffelbestellung den 
Menschenbedarf auf etwa % herabgedrückt; die ganze 
Pflege der Kartoffelfelder ist nicht nur am leichtesten und billigsten, son- 
dern auch am besten durch rechtzeitige Anwendung der Egge, des Häufe- 
pfluges und mancher anderer neuerfundener Gerätschaften zu bewerk- 
stelligen. Auch die Kartoffelernte erfordert einen sehr 
viel geringeren Menschenbedarf, wenn man sich in den Be- 
sitz ausreichender Kartoffelerntemaschinen gesetzt hat, 
Den größten Personalaufwand beansprucht immer noch die Zucker- 
rübenwirtschaft, aber auch sie längst nicht mehr in dem Maße wie früher, 
In vergangenen Jahren rechnete man auf etwa 7 Morgen Zuckerrüben 
eine Menschenkraft; heute können bei richtiger Organisation minde- 
stens 12 Morgen durch einen Menschen fertig gemacht 
werden. Es scheint mir dabei nur auf. zweierlei anzukommen: 1.. darauf, 
Jaß man über eine genügende Menge brauchbarer Hackmaschinen 
verfügt; 2., daß die einzelnen Schläge in gewissen zeitlichen Zwischen- 
räumen bestellt werden, um die Arbeitsanforderungen auf einen längeren 
Zeitraum zu verteilen. Mit der Hand wird nur einmal gehackt, und 
zwar, nachdem die Rüben verzogen sind, Die Hauptanforderungen an 
die Menschenarbeit stellt das Verziehen. Es ist die langwierigste Arbeit 
und zugleich diejenige, welche am sorgfältigsten erledigt werden muß; es 
ist aber auch die leichteste, für die Frauenund Kinder bei weitem 
am besten geeignet sind, | 
Hierbei scheint mir aber ein ganz besonderes Erfordernis zu Sein, ‚daß 
auch die Schnitter — bei den eigenen Leuten ist das ja selbstverständ-
	        
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