DER WERT ZIELBEWUSSTER PROPAGANDA 15
Noch interessanter, gigantischer in ihren Zahlen ist eine
neueste Feststellung, die eine angesehene und weit verbreitete
amerikanische Zeitschrift, die „Atlantic Monthly“, gemacht hat.
Ihr zufolge gibt Amerika jährlich für seine Reklame aus:
Annoncen und Zeitungen . . 0
Direkte Reklame (persönliche Offerte, Prospekte)
Reklame in literarischen Zeitschriften . . .
Reklame in Fachzeitschriften . . . . .
Reklame in landwirtschaftlichen Zeitschriften
Plakatsäulen und Wände .
Schaufenster. . ..
Reklame anderer Art .
Jährliche Ausgabe für Reklame
In Millionen Dollar
600
300
150
70
„7
30
20
2
Das wären nahezu 5% Milliarden deutsche Reichsmark oder
mehr als 6% Milliarden Schweizer Franken.
Um diese gigantischen Zahlen überhaupt verstehen zu
können, ist ein kurzer Hinweis auf die psychische Einstellung
des Amerikaners zur Reklame notwendig. Sie unterscheidet sich
ganz wesentlich von der Einstellung des Europäers. In dieser
Einstellung sind aber zugleich die Ursachen für die riesen-
haften Aufwendungen und für die staunenswerten Erfolge der
amerikanischen Reklame zu suchen.
In den Vereinigten Staaten blickt die Reklame auf eine lange
Geschichte und Tradition zurück. Schon seit der Gründung
dieses riesigen Staatengebildes arbeitet die amerikanische Wirt-
schaft mit Reklame. Benjamin Franklin hatte bereits ein dies-
bezügliches Wirtschaftsprogramm aufgestellt. Der Reklame
günstig war allerdings die Tatsache, daß in Amerika schon
seit Jahrzehnten alle wirtschaftliche Tätigkeit spezialisiert
wurde, spezialisiert werden mußte, weil die dortigen Verhält-
nisse dazu zwangen, möglichst viele Menschenkräfte auszu-
schalten und an ihre Stelle die Maschinen zu setzen.
Zu dieser Entwicklung sieht man sich jetzt allerdings auch
in Europa gezwungen. Hier heißt das neue Schlagwort schon
nicht mehr Spezialisierung, sondern Rationalisierung. Bis kurz
vor Ausbruch des Weltkrieges haftete der Reklame noch ein
gewisses Odium an, das ihr selbst, vor allem aber ihrer Wirkung
auf die Massen, abträglich war. Man sah in der Reklame nicht
das, was sie wirklich ist, nämlich ein Mittel, eine gute Sache