UNZWECKMÄSSIGE WERBEBROSCHÜREN PRIVATER VERLEGER 209
engeren und weiteren Umgebung und ist zugleich, so sagt
wenigstens die Titelseite, als Fremdenführer gedacht.
Schon ein flüchtiges Blättern durch diesen sogenannten
Führer zeigt dem Kenner richtiger Auslandswerbung, daß das
Buch seinen Zweck, den angelsächsischen Besuchern Dresdens
ein Führer zu sein, nie und nimmer gerecht werden kann, ihn
nie erfüllen wird. Bei diesem 1925 herausgekommenen Werbe-
buch sind zwei grundlegende Fehler begangen worden, die es
für seinen eigentlichen Zweck fast wertlos machen, und die ein
erprobter Fachmann, der wirklich etwas von Verkehrswerbung
versteht, unbedingt vermeiden wird. Der erste Kardinalfehler
ist: Durchsetzung des ganzen Buchtextes einschließlich der
Bilder mit Inseraten. Der zweite Kardinalfehler: Unübersicht-
liche Vermischung des deutschen und englischen Textes.
Die Titelseite erzählt dem Engländer und Amerikaner, das
Buch sei A Guide with about 100 artistic Pictures of Dresden,
its environs and its surroundings. Namentlich der Amerikaner
wird diesen “Guide” fluchend wieder aus der Hand legen, wenn
er nur ein paar Seiten umgeblättert hat, weil er nahezu auf
jeder Seite Inserate findet. Will er das finden, was man schließ-
lich in einem “Guide” zu suchen pflegt, so muß er suchen,
suchen und wieder suchen. Für den Amerikaner gilt das
Sprichwort: time is money aber noch mehr als für den Eng-
länder, auch auf der Reise. Ja dort erst recht! Denn der
Amerikaner unserer Zeit reist schnell und hastig. Er will auf
seinem Zweimonats-trip nach old-country, nach dem alten
Erdteil, möglichst halb Europa sehen. Wer ihm dabei seine
Zeit durch unhandliche oder ungeschickte Führer stiehlt, der
ist sein Freund gewesen.
Unter den zahlreichen Inserenten dieses Dresdner „Führers“
befinden sich viele Hotels und Gaststätten. Auch ihre Anzeigen
sind natürlich kunterbunt zwischen den Text, den man mühsam
suchen muß, eingestreut. Vielleicht, ich will es dem Verlage
zugute halten, leitete ihn bei diesem unglücklichen Text-
arrangement der Wunsch, die Inserate seiner Auftraggeber
recht gut und recht auffällig unterzubringen. Er sagte sich
wohl, daß die Inserenten die eigentlichen Kostenträger des
Buches sind, und daß sie für ihr vieles Geld etwas beanspruchen
können. Damit war der Herausgeber schlecht beraten und er
hat verraten, daß er in das Wesen der Auslandswerbung nicht
eingedrungen ist, und daß er von der Mentalität des Engländers