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DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE
er grübelt. In der Bar unseres Sport-Hotels gibt es eine Likörmischung,
eine Mischung, sage ich Ihnen! Sowas Gemischtes gibt es überhaupt
nicht ein zweites Mal. Übrigens diese Bar? Ein kleines Elysium! Im
vergangenen Sommer ist ein Fürst aus dem sagenhaften Indien viele
Tage und Nächte gereist, immer nur gereist, bloß um im Sport-Hotel
in Frohwinkel ein Dutzend seiner berühmten Likörmischungen zu ge-
nießen. Es können auch zwei Dutzend oder ein ganzes Gros gewesen
sein.
Der Dämonisch-grüblerische will die Mischung dieser Mischung
herausbekommen. Er ist eine Wette eingegangen. Ich weiß nicht, wie
hoch. Man sagte mir, daß er für den Preis der Wette das ganze Sport-
Hotel mit Einschluß des Likörmischungsrezeptes kaufen könne. Aber
das will der Dämonisch-grüblerische natürlich nicht. Man hat seinen
Ehrgeiz. Und seinen guten Ruf. Man hat nicht nur eine Wette, sondern
auch einen Namen zu verlieren. Deshalb will er die Mischung selbst
ergrübeln.
Seitdem der Dämonisch-grüblerische hier ist, ist das Sport-Hotel aus-
verkauft. Vom Keller bis zum Boden. Jeder will den grübelnden Dämo-
nischen sehen. Voll war es zwar auch vorher schon. Wie könnte es
auch anders sein? Bei diesem Komfort. Bei dieser Verpflegung. Bei
dieser Bedienung. Bei diesen bescheidenen Preisen, die in keinem Ver-
hältnis zum Gebotenen stehen. Aber jetzt? Jedes Badezimmer ist besetzt.
Und das Sport-Hotel hat viele Badezimmer, Wie jener König von Frank-
reich sagte, daß jeder seiner Untertanen am Sonntag sein Huhn im
Topfe haben sollte, so sagt die Leitung des Sport-Hotels in Frohwinkel:
Jedem Gast sein eigenes Badezimmer! Aber seitdem der Dämonisch-grüb-
lerische hier ist, ist die Geschichte gerade umgekehrt! Jetzt hat jedes
Badezimmer seinen Gast! Um das Billard im Spielzimmer — übrigens
ein Spielzimmer!! Herrschaften, so etwas gibt es überhaupt nicht wieder!
— streiten sich jeden Abend die armen Obdachlosen, Nein! Nicht um
die Möglichkeit, ihr Geld verspielen zu können, sondern um das Billard
als Schlafgelegenheit, Die Leitung des Sport-Hotels mußte schon einen
eigenen Friedensrichter anstellen.
Der Dämonisch-grüblerische aber grübelt. Grübelt unentwegt über der
Likörmischung. Er ist nur noch Mischung. Draußen aber ist lachender
Sonnenschein und der Himmel blaut so blau wie der blaue Montag eines
blau machenden Erdenpilgers. Es wird gewandert und geklettert und
promeniert und geritten und geradelt und getennist und gepulot und
krokettelt und kokettiert und was weiß ichl Aber vor allem wird ge-
flirtet. Dieses Liebesspiel am liebsten. Mit Liebe und ohne Liebe. Aber
immer mit jener abgründigen Gründlichkeit, die den Menschen beiderlei
Geschlechtes als denkende Menschen eigen ist.
Die Sonne bescheint Gute und Böse. So habe ich in der Schule gelernt.
Hier in Frohwinkel finde ich die Wahrheit dieser Wahrheit bestätigt.
Hier scheint nämlich immer die Sonne, Fast hätte ich geschrieben: Tag
und Nacht! Gern möchte ich wissen, wann hier eigentlich der Regen
fällt? Hier fällt überhaupt nichts und niemand. Nicht einmal das Baro-
meter. Wahrscheinlich regnet es hier nur in der Nacht, Wenn die Liebe
erwacht. Es ist eben gut geleitet, dieses Frohwinkel. Hier lacht alles. Die