Full text: Das Hotel- und Gastgewerbe

GROTESKE WERBUNG FÜR EIN HYPERMODERNES HOTEL 261 
Gäste lachen, weil es ihnen ausnehmend gut gefällt. Die Wirte und Ge- 
schäftsleute lachen, weil sie gute Einnahmen und ein einnehmendes 
Wesen haben. Lachende Menschen, Ilachende Fluren und lachender 
Sonnenschein sind die Spezialitäten dieses wundervollen Erdenfleckens. 
Diese Mischung aus Großartigkeit, Lieblichkeit, Wucht und Anmut. Dazu 
die Likörmischung des Sport-Hotels, Weil hier alles wundervolle Mischung 
ist, Mischung von großartiger Natur mit wundervoller menschlicher 
Kunst und Behaglichkeit, darum grübelt der Dämonisch-grüblerische 
wahrscheinlich auch über die Mischung des Sport-Hotels nach, 
Einen ganzen Abend und eine halbe Nacht habe ich in der Bar ge- 
Sessen und ein Glas nach dem anderen von dieser wundervollen Mischung 
geschlürft. Wieviel eine und wieviel andere es waren? Wer wird sich 
Mit Zählen quälen, wenn er wunschlos glücklich ist. Dann habe ich diese 
Zeilen geschrieben. Im wundervoll behaglichen Schreibzimmer des Sport- 
Hotels in Frohwinkel. Mit den vielen Likörmischungen und dem Geist 
M mir, Du wirst es wohl schon gemerkt haben, lieber Leser — — —1 
Ein weiteres Beispiel. Es könnte einem hypermodernen 
Sporthotel in einem von blasierten Großstadtpublikum be- 
Süuchten Wintersportplatz als Muster dienen: 
DER NEUE PARIS. 
. Meilenweit hatten meine Schneeschuhe mich durch die verzauberte 
Märchenlandschaft getragen. In ihr erkannte ich mein liebes, altes 
Winkelhausen, das Ideal jedes zünftigen Wintersportlers, kaum wieder. 
Was sage ich? Winkelhausen? Ein Paradies ist es. Voller Huris. Voll 
Ungehobener Schätze, An jeder einzelnen der riesigen Tannen und Fichten 
Slitzern Millionen Edelsteine. Wie die Diamanten am Halse einer wunder- 
Schönen Frau, so schimmern die Eiskristalle und leuchten in der lachen- 
den Sonne. 
Staunend stand ich in dieser Wunderwelt. Die Zweige brachen fast 
Unter der Last des schimmernden Schnees, Ich zitterte. Vor Wonne. 
Und dachte inbrünstig: Wenn jetzt bloß kein Berliner Banause kommt 
und sagt: „Jroßartig! Wie mit Zucker bestreut!“ Ich müßte ihn tot- 
Schlagen. — — Großer Zeus, ich danke dir. Es kam keiner. Ich wurde 
Nicht zum Mörder. 
Nun dehnen sich die müden Glieder im behaglichen Klubsessel der 
Halle des Golf-Hotels. Ach, dieses Golf-Hotel in Winkelhausen mit seiner 
Halle. Es ist ein Gedicht. Ein ganzer Gedichtband. Man wird nicht 
Müde, darin zu blättern. Schmelzend. und süß schmeicheln sich die Weisen 
der kleinen Hauskapelle in mein Ohr. Parfümwolken fliegen. Drei Früh. 
lingsvögel zwitschern leise. Sie hocken am Nachbartisch. Jung. Schick. 
Reizend. Eine immer süßer und anbeißenswerter als die andere. Mein 
Gott! Wenn ich bei diesen entzückenden drei Göttinnen den Paris mit 
dem Apfel machen müßte?! Vor lauter Verlegenheit würde ich in den 
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