Full text: Das Hotel- und Gastgewerbe

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DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE 
buntgestickte Reisetasche, und vornehme Rohrplattenkoffer, 
ingeniös ausgeklügelte Schrankkoffer, elegante Rindleder-, 
Kalb- oder gar Krokodilledertaschen mit den unglaublichsten 
Schikanen von praktischen Einrichtungen haben ihre Stelle 
eingenommen. 
Nichts zeugt mehr von der verschwundenen Pracht — — 
doch halt, nicht alles schwand, eines ist uns doch geblieben, 
und zwar die Farbenfreude. Nur sind es nicht mehr weiße, 
fleißige Finger, die die Farbenpracht auf festem Stramin 
hervorrufen, sondern derbe Hoteldienerhände haben dieses 
Amt übernommen. Sie verleihen unseren im bürgerlich schlich- 
ten Farbengewande auftretenden Reisekoffern einen Hauch 
von der Farbenpracht, die unsere Sinne in stillen Tälern der 
Hochalpen, am brandenden Ufer des Meeres, im sonnenüber- 
fluteten Paradies des Südens in sich aufnehmen und als 
Erinnerung fürs Leben von der frohen Reise mit heimtragen 
in den grauen und nüchternen Alltag. 
Ein Aber ist allerdings dabei — —! Das Geschick muß es gut 
mit unserem Beutel gemeint und ihn reich mit klingenden 
Denaren gespeist haben. Dann können wir unser von der Reise 
müdes Haupt sorglos und zufrieden im Schatten eines Palast- 
Hotels, eines Fürstenhofes betten, in der angenehmen Gewiß- 
heit, gut aufgehoben zu Sein, tadellose Bedienung zu finden und 
bei der Abreise noch mit einem farbigen Bildchen belohnt zu 
werden. 
Nur die Palasts, Fürstenhofs und gleichrangigen Gasthöfe 
leisten sich den Luxus, das Reisegepäck ihrer scheidenden 
Gäste mit einem Paßvisum: Er ist dagewesen! zu versehen. Sie 
tun gut daran, denn dieses Wohltun bringt ihnen reichliche 
Zinsen. 
Was für eigenartige Blüten treibt doch die Eitelkeit der 
Menschen. Gerade diejenigen Gesellschaftskreise, die jeder 
Reklame scheu aus dem Wege gehen, lassen sich willig herbei, 
kostenlos für Hotels Reklame zu machen, die sie auf ihrer 
Reise besuchten, und sie sind stolz darauf. Gewiß auch mit 
Recht, denn eine Hand wäscht die andere. Die fremde Reklame 
wird zu einer noch wirkungsvolleren für sie selbst. Seht her, 
ruft die bunte Kofferetikette, mein Herr kann im Palast- 
Hotel wohnen! Im Palast-Hotel ist’s nicht billig, das weiß jedes 
Kind, und wer mit dessen Reklamezettel etikettiert wurde, ist 
ein reicher Mann.
	        
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