Full text: Das Hotel- und Gastgewerbe

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; DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE 
gestellte Etikette wird ihren Zweck wirklich erfüllen. Dieser 
Zweck ist schon im Namen angedeutet: Etikette! Das kleine, 
farbige Bild, das auf den Koffern der Hausgäste weit in die 
Welt herumreist, soll die Etikette, die Visitenkarte des Hotels 
sein. Wie der wirklich vornehme Mann seine Visitenkarte nicht 
in irgendeiner kleinen Druckerei herstellen läßt, sondern nach 
sorgfältigster Prüfung die beste lithographische Kunstanstalt 
mit dieser Aufgabe betraut, so soll auch das wirklich vornehme 
Hotel, das durchaus nicht immer das „größte‘‘ am Platze ist 
oder zu sein braucht, sich seine Visitenkarte, die Kofferetikette, 
nur durch einen Künstler von feinstem Geschmack entwerfen 
und durch eine künstlerisch geleitete graphische Kunstanstalt 
herstellen lassen. 
Wenn ich in irgendeinem großen Hotel in Berlin, Dresden, 
München, Wien, Montreux, Zürich, London oder Paris Koffer 
sah, die Etiketten aus allen Erdteilen trugen, aus Kairo, New 
York, San Francisco, Sidney, Buenos Aires, Schanghai, Yoko- 
hama, Kapstadt oder Kalkutta, dann habe ich immer ein 
wenig Neid empfunden. Vor allem beneidete ich die Besitzer 
dieser Koffer um die Stunden der Erinnerung, die leuchtend 
auftauchen, wenn das Auge wieder einmal auf den kleinen, 
bunten Kunstwerken ruht. Es sind kaleidoskopartige Bilder, 
die uns, wie ein orientalischer Märchenerzähler, von ent- 
schwundenen, glücklichen Tagen und von Zeiten des Welt- 
durchstreifens vorplaudern, 
Fällt zum Beispiel der Blick später einmal, träumerisch und 
versonnen, auf die kleine, farbenprächtige Etikette des „Pera 
Palace“ in Konstantinopel (die ich im Bild wiedergebe), so 
taucht mit einem Schlage dieser Hotelpalast selbst, taucht die 
Silhouette der alten Wunderstadt am Goldenen Horn auf. Die 
Etikette des „Grand-Hotel Quisisana‘“ in Santa Cruz auf 
Teneriffa (ebenfalls hier wiedergegeben) zaubert uns jenes 
Paradies zurück, das mit vollem Recht den Namen der „Glück- 
lichen Inseln“ trägt. Tief innen im Herzen wird der Wunsch 
rege: Noch einmal möchtest du im Pera Palace, im Grand- 
Hotel Quisisana sein! Der Zweck der Kofferetikette ist damit 
erfüllt. Sie hat die Erinnerung an jenes Hotel wachgerufen, das 
den kleinen Boten einst in die weite Welt hinaussandte. 
Aber das ist nicht der einzige Zweck der Kofferetikette. Sie 
soll bei denen, die im Hotel, auf der Bahn, auf dem Schiff 
Gelegenheit haben, diese Etiketten auf fremden Koffern zu
	        
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