Full text: Der Salzhandel, die Salinen und Salzbergwerke Württembergs im 19. Jahrhundert

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Saline zu schreiten. Als am 26. Juli 1823 mit dem Bohrloch Nr. 2 Stein 
salz erreicht worden war, entschloß man sich sogleich zum Bau eines Solen- 
Reservoirs, sowie zur provisorischen Errichtung eines Sudhauses, das eine Wärm 
pfanne und eine Siedepfanne erhielt. Dieses später wieder abgebrochene Sud 
haus wurde am 5. Januar 1824 in Betrieb genommen. Um dieselbe Zeit 
knüpfte man mit verschiedenen schweizerischen Kantonen wegen Salzlieferungen 
Unterhandlungen an, da von der künftigen Erschließung des schweizerischen Ab 
satzmarktes im wesentlichen die Existenzmvglichkeit der geplanten größeren Sa 
line bei Schwenningen abhing. Da die Verhandlungen mit den schweizerischen 
Kantonen von Erfolg waren, so war die Errichtung einer größeren Salinen 
anlage bald eine beschlossene Sache. Am 17. Januar 1824 wurde die Königl. 
Genehmigung zur Errichtung der Saline erteilt. Etwa 1 / i Stunde von dem 
Pfarrdorfe Schwenningen in der Nähe des Neckarursprungs wurde ein Areal 
von 21 Morgen angekauft, auf welchem 6 Sudhäuser mit den notwendigen Re 
servoirs, Magazinen, Solenleitungen erbaut wurden. Die Saline erhielt den 
Namen „Wilhelmshall". Auch ein Beamten- und Laborantenhaus errichtete man. 
Die gesamten Baukosten bezifferten sich auf 242 559 fl. 27 kr., welcher Betrag 
durch die Hauptsalzverwaltung in der Form eines Anlehens beschafft wurde. 
Im Jahre 1830 betrug die Schuldenlast der Saline Wilhelmshall 457 950 fl.; 
hiervon sollte etatsmäßig x /io des Schuldkapitals jährlich zur Amortisation kom 
men. Man hatte den Amortisationsbetrag abgerundet und auf 45 000 fl. jähr 
lich festgesetzt. Die Amortisation war aus den Ueberschüssen der Saline zu be 
streiten X ). Das Jahr 1824 war noch nicht zu Ende gegangen, als sich bereits 
sämtliche Sudhäuser der Saline Schwenningen im Betrieb befanden. Das un- 
gemein schnelle Aufblühen der Saline Schwenningen war im wesentlichen dem 
Umstande zuzuschreiben, daß es der Württembergischen Regierung gelungen war, 
dem Nachbarstaate Baden den Salzhandel nach der Schweiz zu entreißen. Ba 
den, das schon l 1 / 2 Jahre früher zu Dürrheim Steinsalz erbohrt und industriell 
nutzbar gemacht hatte, sah sich durch diesen Handelserfolg Württembergs erheb 
lich geschädigt. Die Straßen nach Schaffhansen und Sernatingen waren mit 
württembergischen Salzwagen belebt. Baden übte nun angesichts seines wirt 
schaftlichen Mißerfolges Vergeltung, indem es den Verbindungsweg zwischen 
Rottweil und Schwenningen, der bei Dauchingen auf einige hundert Schritt 
badisches Gebiet durchschneidet, durch tiefe Gräben nnfahrbar machen ließ. Diese 
Maßnahme hatte für die württembergifche Regierung die unangenehme Folge, 
daß zum Bau einer neuen Straße auf eigenem Gebiet geschritten werden mußte. 
Diese im Jahre 1825 ausgeführte Straße verursachte der Saline Schwenningen 
nicht weniger als 43 167 fl. 51 kr. Kosten. 
Schon bei der beabsichtigten Gründung der Saline hatten Sachkenner von der 
Wahl Schwenningens abgeraten, da die etwas isolierte Lage des Orts die Salz- 
transportkosten unverhältnismäßig teuer gestalten mußte. Der durch das Vor 
gehen Badens notwendig gewordene kostspielige Landstraßenbau war ein weiterer 
Beweis für die unzweckmäßige Lage der Saline Schwenningen. Vornehmlich in 
Berücksichtigung und Erkenntnis dieser Tatsachen entschloß man sich denn auch 
annähernd um dieselbe Zeit, Bohrversuche in der Nähe von Rottweil vorzuneh- 
1) Verhandlungen d. Kammer d. Abg., Jahrg. 1830. III. außerord. Beil.-Heft, 
S. 14, II. Abteilung.
	        
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