Full text : Das Hotel- und Gastgewerbe

DIE KOFFERETIKETTE ALS REISENDER PROPAGANDIST 277

Pfarrer, Sebastian Kneipp, dem Vater der bekannten Kneippschen
 Wasserkur. Ein wichtiger Teil dieser Kur ist das Barfußgehen
 im vom Morgentau getränkten Gras, ferner das sogenannte
 Wassertreten und das Barfußgehen (in Sandalen)
überhaupt. Auf der Hoteletikette wird dieses versinnbildlicht.
Also ein charakteristisches Kennzeichen.
Noch origineller erscheint mir die Kofferetikette des Hotels
Schwarzer Bock in Wiesbaden. Der Name des Hauses ist an
sich schon charakteristisch, was wir übrigens bei deutschen,
österreichischen und schweizerischen Hotels häufiger finden,
er ist aber auch auf der Kofferetikette in einer Weise versinnbildlicht
 worden, die unbedingt die Aufmerksamkeit des Be-Sschauers
 zunächst wecken, dann auch fesseln muß. Der
Zeichner des kleinen Bildes hat es verstanden, eine der ersten
Forderungen moderner Reklamekunst, den sogenannten
„Blickfang“, zu erfüllen, also den Blickfang in den Dienst der
Werbung zu stellen. Bei der Wiedergabe in Schwarzdruck
wird allerdings die durch starke Farbenkontraste hervorgerufene
 Wirkung leider abgeschwächt. Aber auch der
Schwarzdruck veranschaulicht noch mit wünschenswerter
Deutlichkeit die charakteristische Blickfangwirkung der kleinen
Zeichnung.
Die Umrandung des vignettenartig gehaltenen Bildchens ist
ziegelrot, das den Namen des Hauses: Hotel Schwarzer Bock,
Sowie der Stadt: Wiesbaden, in Schwarzdruck kräftig und
deutlich hervortreten läßt. Die skizzenhaft behandelte Frontansicht
 des Hauses ist in Husarenblau gehalten, ‚ebenso die
Sich links und rechts darum ballenden Wolken, während die
Wolken darüber ganz weiß sind. Daraus ragt in fast kubisti-Scher
 Manier der schwarze Bock in den hellblauen Himmel
hinein. Der Künstler hat gut symbolisiert; sowohl die Silhouette
des Bockskopfes als auch der Name des Hauses „Schwarzer
Bock“ sind wirklich ganz schwarz, Der Zeichner der Etikette
hat also den Sinn dieses kleinen Werbers richtig erfaßt. Er
will den Blick fangen! Das tut das Bildchen wirklich. Wenn
Man den schwarzen Bockskopf aus den auffallenden Farbentönungen
 heraustreten sieht, so wird man neugierig: Was ist
das für ein originelles Bild? Man betrachtet es näher und liest
die Schrift in der Umrandung. Der kleine Werber, Kofferetikette
 genannt, hat seinen Daseinszweck erfüllt. Er hat dem
Beschauer von dem Hotel Kunde gegeben, und sein Name wird
            
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