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DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE
sich dem Gedächtnis einprägen, weil wir Menschen es vorerst
noch gewohnt sind, mehr dem Auge als dem Ohr zu folgen.
Das Auge reagiert aber, namentlich bei der Reklame, auf
Groteskwirkungen, auf Originelles, auf von der gewohnten
Schablone Abweichendes intensiver und nachhaltiger als auf,
sagen wir, zahme und sanfte Linienführung.
Einen interessanten, von der bisher üblichen Schablone
abweichenden Weg ist das Eden-Hotel in München bei Ver-
wendung seiner Kofferetikette gegangen. In der Zeichnung der
Etikette, die seit 1922 in Verwendung ist, hat man ebenfalls
die bekannte Silhouette Münchens mit den beiden Frauen-
türmen verwendet, die ich schon einmal im Bild vorführe,
und zwar bei der Kofferetikette des Regina Palast-Hotels. Die
des Regina-Palasts ist die ältere, stammt aus der Vorkriegszeit
und die Etikette ist auch heute noch in ganz ähnlicher Aus-
führung im Gebrauch. Bei Wiedergabe der Etikette des Eden-
Hotels leitete mich ein anderer Gesichtspunkt. In ihr ist nicht
nur ein Münchner „Kennzeichen‘“ verwendet, sie wurde auch
zum Kennzeichen für das Haus gemacht. Wie das geschah,
werde ich näher erläutern. Im Original ist die Etikette im
Dreifarbendruck hergestellt: Terrakotta, dunkelblau und
schwarz. Der lichte Raum oben und unten ist terrakottafarbig,
die Stadtsilhouette dunkelblau mit Schwarz umrandet, woraus
der Hotelname in Weiß hervorleuchtet. „München“ und „Am
Hauptbahnhof“ wieder dunkelblau.
In der gleichen farbigen Ausführung ist die Kofferetikette
auch auf folgenden, neu hergestellten Drucksachen angebracht
worden: Einem Briefbogen, der nur für‘ den eigenen Bedarf
des Betriebes verwendet wird (für den Gebrauch der Gäste ist
ein, diesem Zweck mehr entsprechender schlichter Briefbogen
in handlichem Format bestimmt). Ich gebe beide geschmack-
vollen Briefköpfe in den betreffenden Kapiteln in Verkleinerung
wieder. Ferner finden wir die Vignette der Kofferetikette auf
einer sehr gut und vornehm wirkenden Empfehlungskarte,
deren Text ich ebenfalls, etwas verkleinert, in dem die
Empfehlungskarte behandelnden Abschnitt, wiedergebe. Auf
einem Taschenkalender, und zwar auf der äußeren Umschlag-
seite, hat diese Kofferetikette auch Platz genommen. Der
Kalender trägt die Widmung: „1926. Unseren werten Gästen
zum Neuen Jahre.“ In einfarbiger, also nicht bunter Aus-
führung finden wir die Zeichnung der Kofferetikette dann noch