Full text: Das Hotel- und Gastgewerbe

DIE HEITERE ODER SATIRISCHE EPISODE IN DER KURORTWERBUNG 291 
Haupt. Es schien, als trüge Meyer einen Heiligenschein. Aber es war nur 
seine kahle Platte. Allerdings von ungewöhnlichen Ausmaßen, 
In der folgenden Nacht hatte der Kurdirektor einen seltsamen Traum. 
Die Türe seines Schlafzimmers öffnete sich geheimnisvoll. Herein trat 
lautlos eine lange Prozession. Lauter Schweine, An der Spitze schritt ein 
Desonders riesiges Exemplar dieser Wohltäter der Menschheit, Auf einer 
silbernen Schüssel trug es zierlich ein ungewisses Etwas. Erst hielt der 
Kurdirektor es für das Haupt Johannes des Täufers aus Salome, der 
Oper von Strauß. Aber dann erkannte er: Es war ein reich verzierter, 
gesulzter Schweinskopf. Ihm folgte ein zweites Schwein, das komischer. 
weise auf seinen Vorderflossen tänzelte. Nun sah er: die Hinterhände 
fehlten! In seinem Rüssel trug das brave Tier, elegant die Balance haltend, 
seine eigenen Hinterschinken. Bräunlich geräuchert und lecker anzu- 
Schauen, Sein emporgestrecktes Schwänzchen ringelte sich vergnügt, als 
freue es sich der guten Gabe. Dem dritten Prozessionisten fehlten die 
Lenden, Er präsentierte sie dem Kurdirektor treuherzig, knusprig gebraten 
und reich gespickt, zwischen seinen Vorderhaxen, Das vierte hatte sich 
Würste, Würste und wiederum Würste um den fetten Nacken ge- 
Schlungen. Das Tier sah aus wie die berühmte Laokoon-Gruppe im 
Vatikan zu Rom. Dann kam eine Militärkapelle. Sie spielte feierlich und 
getragen: Ach, nun trinkt er keinen Rotwein mehr und der Weißwein 
Schmeckt ihm auch nicht mehr! Hinter der Musik schritt, ganz in Weiß, 
eine schweinige Ehrenjungfrau. Sie trug eine mit Ringelschwänzchen 
Teich ornamentierte Urkunde, selbstverständlich in Schweinsleder ge- 
bunden, und überreichte sie dem Kurdirektor mit einer schweinemäßig 
Sereimten Ansprache. Er war wegen seiner Verdienste um das letzte 
Wohl der Schweine zum Ehrenschwein ernannt worden, 
Mit einer solchen Groteske wird der Kurdirektor die Lacher 
auf seiner und also auf der Seite seines Kurortes haben! Damit 
Wäre der Beschwerde, in der ein wirklich ernster und peinlicher 
Kern steckt, die Spitze abgebrochen. Stoff für humorvolle 
Plaudereien, witzige Satiren und originelle Grotesken wird 
jedem Kurdirektor an jedem Tag ins Direktionsbureau getragen; 
sei es mündlich oder schriftlich. Es ist nichts weiter nötig, als 
den Stoff im Interesse des Kurortes mit der Feder wirksam 
ZU verarbeiten. 
Doch nicht nur den Kurdirektoren, auch dem Hotelier bietet 
das Leben vielfache Gelegenheiten zur Reklame. Er braucht 
die Gelegenheiten rur beim Schopfe zu fassen. Wie das zu 
Machen wäre, erzählt das folgende Kapitel.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.