PROPAGANDA DURCH MEDIZINER
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37. PROPAGANDA DURCH MEDIZINER
Vor einiger Zeit hat sich eine Anzahl schweizerischer Heil-
bäder zu einem Verband zusammengeschlossen, weil die Ver-
treter dieser Bäder glauben, ihre Belange so besser wahren und
fördern zu können. Ich gebe von einem der ersten Schritte
dieses schweizerischen Bäderverbandes Kenntnis. In Verbindung
mit der Schweizer Verkehrszentrale hat der neue Verband an
sämtliche Ärzte in der Schweiz einen gediegen ausgestatteten
Prospekt versandt, womit die Ärzteschaft gebeten wird, beim
Verschreiben von Badekuren der schweizerischen Heilbäder zu
gedenken. Diese böten, betont der Prospekt, den Patienten
Manche Vorteile; Heilquellen, an Güte denen des Auslandes
ebenbürtig; Bäder, die modern eingerichtet seien; reichliche
Verpflegung, der Kur angepaßt; gute Aufnahme in schmucken
Hotels und Pensionen und annehmbare Pensionspreise, die, mit
denen des Auslandes verglichen, bescheiden zu nennen seien.
Man sieht, daß der Schweizer Heilbäderverband in sehr
geschickter Weise an den Patriotismus der heimischen Ärzte
appelliert. Es ist nicht Aufgabe dieses Werkes, zu untersuchen,
ob eine solche nationale Einstellung der Ärzteschaft angebracht
und klug ist. Die Tatsache wurde von mir lediglich deshalb
gestreift, weil ich einen Weg zeigen möchte, „wie“ die Ärzte
erfolgreich zur Werbung für heimische Bäder und Kurorte
herangezogen werden könnten, ohne daß dabei nationale
Gefühle berührt und die leidige Streitfrage: national oder
international? ins Vordertreffen geführt wird.
In den vorausgegangenen Kapiteln habe ich versucht, den
Wert feuilletonistischer Propaganda sowohl für Kurorte als
auch für Hotels zu schildern. Der Wert ernster medizinischer
P ropaganda würde noch viel größer sein. Erfreulicherweise gibt
es in den internationalen Reiseländern, in Deutschland, Öster-