60 Großstadt-Dokumente Bd. 8. Berliner Banken.
eine Anzahl «lehr oder weniger anrüchiger Agenten sucht
in der Großstadt ihre Opfer, um sie ihren Hintermännern
zuzuführen. Diese Teilung in Geldgeber unb Vermittler
ist int Krawattengeschäft, wie der Volltsmund das Ge
schäft, seinen Mitbürgern die Kehle zuzuschnüren, allge
mein nennt, üblich. Sie geschieht schort aus Vorsicht, um
die Biedermänner, die sich stets zur unrechten Zeit als
Helfer aus der Not einstellen, rächt zu sehr ins Licht der
Öffentlichkeit zu bringen. Besonders tritt diese Gepflogen
heit bei dem eigentlichen Darlehnswucher niederster Art
hervor, der in Berlin geradezu Orgien feiert. Wenn ein
verschuldet oder unverschuldet irr finanzielle Schwierig
keiten Geratener den Anonncenteil der Berliner Blätter
liest, so muß er erleichtert aufatmen. Denn der Möglich
keiten, Geld zu erlangen, lächeln ihm unendlich viele
entgegen, und in jedem Inserat wird die Kulanz der
Bedingungen aus wärmste gepriesen. Die erste Ent
täuschung erfaßt den Geldsucher schon beim ersten Zu-
samntetttreffen mit dem freundlichen Helfer. Gs wird ihm
erzählt, daß natürlich über seine Persoit erst Auskünfte
eingezogen werden müssen, da das Bankhaus, das das
Geld zu geben beabsichtige, nur mit ganz sicherer Kund
schaft arbeite, dazu sei ein Spesenvorschuß von 15 oder
20 Mark nötig. Der arme Schlucker, dem das Messer an
der Kehle fitzt, kramt die letzten Pfennige seiner Bar
schaft zusammett, borgt sich vielleicht noch einen Teil da
zu, um den gewünschten Betrag zu entrichten. In leider
sehr vielen Fällen hat damit die Geschäftsverbindung
ihr Ende erreicht. Der noble Herr Nothelfer denkt gar
nicht daran, Auskünfte einzuholen, sondern steckt sich ver
gnügt lächelnd das Geld in die Tasche. Fragt der Geld-
bedürftige nach, so wird er zunächst hingezogen und er
hält schließlich nach langem Harren den Bescheid, daß die
Auskünfte leider nicht nach Wunsch lauten und infolge-