ERHOLUNGSREISEN UND REISESTIPENDIEN ALS BELOHNUNG 305
Eine vorwärts treibende Welle auf dem flutenden Meere der
Wanderlust können jene Reisen werden, die der heran-
wachsenden Jugend als Lohn für schönen Eifer bei ihrer
beruflichen Weiterbildung geboten werden. Zwar sind die
Anfänge hierzu noch schwach, aber sie sind doch schon vor-
handen. Diesem Gedanken größere Werbekraft zu verschaffen,
muß Aufgabe aller sein, die die volkswirtschaftliche Wichtig-
keit eines regen Fremdenverkehres erkannt haben und für
seine Förderung eintreten.
In welcher Weise das Angenehme mit dem Nützlichen ver-
bunden werden kann, das heißt, wie die Freude am Reisen und
Schauen und Wandern in der jugendlichen Brust dadurch
geweckt werden kann, daß sie dem jungen Mann als Belohnung
für treue Pflichterfülung am Ende eines wichtigen Lebens-
abschnittes winkt, will ich an einem Beispiele aus dem Leben
zu veranschaulichen suchen.
Der Verein Jugendwohl zu Dresden hatte sich für eine neue
Form der Auszeichnung oder Belohnung von auslernenden
Lehrlingen eingesetzt und für seine Idee in den Kreisen der
Industrie, des Gewerbes und Handels geworben. Der Gedanke
fiel auf guten Boden. Der Anregung des Vereines folgend,
haben die Direktoren einiger industriellen Unternehmungen
den Herstellern der besten Gesellenstücke einen zehntägigen
Erholungsurlaub ins rheinisch-westfälische Industriegebiet
gewährt. Es ist nicht Zweck dieser Zeilen, über die Fahrt des
Näheren zu berichten. Sie sollen und wollen lediglich für die
weitere Ausgestaltung dieses schönen Gedankens, mit seinem
wichtigen ethischen und wirtschaftlichen Hintergrund, werben!
Es sei nur erwähnt, daß die jugendlichen Teilnehmer dieser
Studienfahrt nicht bloß Gelegenheit bekamen, große Industrie-
werke von Weltbedeutung in vollem Betriebe zu sehen und zu
studieren, sondern daß ihnen auch die landschaftlichen Reize
und die Kunstschätze jener Gebiete gezeigt wurden. Was sind
jungen, achtzehnjährigen Menschen die scheinbaren Anstren-
gungen einer solchen Fahrt? Der jugendlich-kräftige Körper
überwindet sie spielend; am Abend sind sie schon vergessen.
Aber fürs ganze Leben haften im Gemüte der Teilnehmer einer
Solchen Reisegesellschaft die wechselvollen, bunten und viel-
gestaltigen Bilder und Eindrücke. Der Wunsch wird in den
Jungen Herzen geweckt, mehr von der schönen Heimat zu
sehen. Die Liebe zu ihr wird lebendig, der Gedanke erstarkt,