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DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE
dem Heimatboden die Treue zu wahren und ihm mit allen
Kräften zu dienen. Die rheinisch-westfälischen Industriellen
hatten sich gern in den Dienst dieser Belohnungs-Studienreise
gestellt, denn der Nutzen einer solchen Einrichtung leuchtet
ohne weiteres ein. Sie sollten deshalb nachdrücklich von allen
Fremdenverkehrsinteressenten gefördert werden, ebenso wie
die wissenschaftlichen Studienreisen.
Wenn man von Erholungsreisen schreibt, dann liegt auch
der Gedanke an Erholungsheime nahe. Diese Erholungsheime
haben namentlich in Deutschland, aber auch in Österreich,
eine nahezu stürmische Vermehrung gefunden. Sie wachsen
sich immer mehr zur Konkurrenz und damit auch zu einer
Gefahr für die bestehenden Hotels und Fremdenheime in den
Kurorten aus. Es gibt in Deutschland keinen Berufsstand mehr,
der nicht eines, oft auch eine ganze Anzahl Erholungsheime
besitzt und im Betrieb erhält. Das Verwunderliche dabei ist,
daß auch Industrien und Handelskreise sich darunter befinden,
die Hotel- und Fremdenheimbesitzer zu ihren besten Abnehmern
zählen. Daß sie ihnen durch die Erholungsheime langsam, aber
sicher, den Boden unter den Füßen lockern, scheint man noch
nicht erkannt zu haben.
Es ist hier nicht der Platz, mich mit dem Erholungsheim-
problem näher zu beschäftigen. Übrigens habe ich meine
warnende Stimme als Erster in der Fachpresse erhoben. Aber
es ist hier wohl der richtige Platz für den wohlmeinenden Rat
an alle Hotelbesitzer:
Tretet bei jeder geeigneten Gelegenheit dafür ein, daß man
in den Kreisen der Industrie, des Handels, Gewerbes und Hand-
werkes mit der Schaffung neuer Erholungsheime aufhört. An
ihre Stelle müßten die Erholungs- und Urlaubs-Stipendien
treten! Es lassen sich mit ihnen dieselben Wirkungen erzielen,
wie mit den Erholungsheimen. Gegen die Erholungsheime der
Beamten, die einer der höchstbesteuerten Industrien, also
einem eminent wichtigen Steuerträger und also auch Nährvater
der Beamtenschaft, nicht gerade lauter zu nennende Kon-
kurrenz machen, sollte in den Parlamenten energisch Front
gemacht werden.
Das hier über Reisestipendien Gesagte ist auch für das
folgende Kapitel wichtig, das sich mit dem, unter den heutigen
sozialen und wirtschaftlichen Verhältnissen wohl bald sehr
aktuell werdenden Thema der Jugendferien beschäftigt.