Full text: Das Hotel- und Gastgewerbe

WIE UND WANN WIRKT UND WIRBT DAS PLAKAT 309 
beschränkung zeigt sich erst der Meister des Plakates. Möglichst 
wenige, aber packende, schlagkräftige Worte oder ganz kurze 
Sätze. Beim Plakat sollte der kategorische Imperativ Herrscher 
sein und bleiben, Es soll im Vorübergehen, also gewissermaßen 
im Fluge genossen werden. An der „Plakatsäule“ bleibt 
niemand gern lange stehen. Was das Plakat dem Beschauer 
zu sagen hat, muß es ihm schnell, aber eindringlich zurufen. 
Meinetwegen zubrüllen! Um so eher wird es gehört. . 
Deshalb ist es mir unverständlich, daß manche Plakatkünstler 
sich neuerdings zuweilen auf Schriftarten versteifen, die 
Chinesisch oder Japanisch oder Russisch zu sein scheinen, und 
deren Enträtselung dem Beschauer nur mit Mühe gelingt. 
Wenn er sich die Mühe macht! Aber da liegt der Hase im 
Pfeffer. Er wird sich die Mühe nicht machen! Das Plakat bleibt 
also wirkungslos, bis auf eine gewisse Verärgerung, die schädlich 
wirkt, weil sie leicht auf den Aussteller des Plakates zurück- 
schlägt. Es hat seinen Zweck verfehlt. 
Das Plakat muß also deutlich reden. Es darf nicht stottern 
und stammeln. Wer in der Schule lesen gelernt hat, der muß 
38 auch lesen können. 
Das Plakat muß ferner originell sein. Es ist ebenso wichtig 
und nötig wie die geschickte Farbenmischung und die lapidare 
Kürze. Ich entsinne mich eines Plakates, das eine wahre Sturm- 
ut von Presseäußerungen und kritischen Betrachtungen 
hervorgerufen hatte. Kunstgelehrte, Pressemenschen und Laien 
gerieten sich seinetwegen in die Haare — — wenn sie noch 
welche hatten. Messerscharf standen sich die Freunde und die 
Gegner mit ihrem „für‘“ und „wider‘“ gegenüber. Es war der 
Dresdner „Grüne Junge‘, das Plakat einer großen Kunst- 
ausstellung, die vor ungefähr 20 Jahren in der Stadt der 
wundervollen Barockbauten veranstaltet worden war. Der 
„Grüne Junge“ hatte, weil er so grün war, damals beinahe mehr 
Aufsehen hervorgerufen, als die Ausstellung selbst. Das grüne 
Plakat hatte also eine Wirkung gehabt, wie es seine Schöpfer 
selbst wohl in ihren grünsten Träumen nicht erträumten und 
was seine Gegner wohl sicher nicht bezweckt hatten. Na also! 
Originell muß das Plakat sein. Greift nur hinein ins volle 
Plakatleben, und wo ihr’s packt, da ist es — — nicht immer 
interessant. Ein zweites Beispiel aus der Praxis sei heran- 
gezogen.
	        
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