DIE MITARBEIT DER SCHRIFTSTELLER UND JOURNALISTEN 365
Ali“ auf Seite 7: „Da ich selten imstande bin, den Tag meiner
Ankunft auch nur ungefähr zu bestimmen, war ich im Hotel
abgestiegen — dem ersten Hotel von Berlin.“ Den Namen dieses
Hauses läßt Nord zunächst offen, um dann schon auf der
nächsten Seite (8) deutlicher zu werden: „Dr. F. R. Nord ist
im Adlon ein wohlbekannter Gast. Meine Zimmer standen daher
für mich bereit, als ich in wohliger Erwartung des Jangersehnten
Bades die Tür hinter mir schloß.“
Ist das „Reklame“? Ja und nein! Reklame im landesüblichen
Sinne ist es gewiß nicht, dazu geschieht die Erwähnung des
Hotels zu vornehm und zu unabsichtlich. Hier kann man das
bekannte Zitat aus Goethes „Tasso“ in entgegengesetztem Sinne
anwenden: „Man merkt die Absicht nicht und man wird nicht
verstimmt.‘“ Aber die vielen Leser von „Ker Ali‘ haben doch
erfahren, daß F. R. Nord im Hotel Adlon wohnt und daß er es
für das erste Hotel von Berlin erklärt. Selbstverständlich habe
ich hier nur zitiert, nur ein Beispiel aus dem praktischen Leben
gezeigt, um den geschilderten Wandel in der schriftstellerischen
Gewohnheit zu veranschaulichen.
Nun die Nutzanwendung. Den Leitern von Kur- und Bade-
orten, den Besitzern oder Direktoren gediegener Gaststätten —
um einmal nicht Hotel zu sagen — sind viele unserer gelesenen
und auch noch nicht gelesenen Schriftsteller bekannt. Es ist
SO einfach, sie um ihre Mitarbeit zu bitten, die verständnisvoll
gern gewährt werden wird, wenn man sie darüber aufklärt, um
Was es sich handelt: Nicht um Reklame, sondern um die Hilfe
der Intelligenz bei dem schweren Kampf, den sehr viele Kur-
und Badeorte, den sogar viele große und bekannte Verkehrs-
städte sowie die eng mit ihrem Wohl und Wehe verbundenen
Hotels um ihre Existenz zu bestehen haben. Die Aufklärung
darüber, wie intensiv die Werbearbeit in allen Reiseländern
betrieben wird, wie diese Arbeit, der immer noch fühlbaren
Grenzsperren wegen, doppelt schwierig ist, wird so manchen
Intellektuellen auf den Plan rufen, der diesen Fragen bisher
fremd, um nicht zu sagen, verständnislos, gegenüberstand.
Was die Mitarbeit der Schriftsteller für den Fremdenverkehr
und die Hotels bedeuten kann, glaube ich überzeugend dar-
getan zu haben. Ähnlich, wenn auch im engeren Rahmen,
können die sogenannten Pressefahrten wirken. Doch ist bei
diesen Veranstaltungen bisher durch ein Übermaß des Gebotenen
Sesündigt worden.