Full text: Das Hotel- und Gastgewerbe

DIE PROPAGANDAWIRKUNG DES NAMENS 397 
gute Kundschaft aber wurde durch das Wörtchen vertrieben 
und ist nicht so leicht wieder heranzuziehen. 
Obwohl Beispiele sehr lehrreich und nützlich sein können, 
will ich doch nur ein einziges anführen. In Trollhättan, einer 
Fabrikstadt von zirka 8000 Einwohnern, bei den welt- 
bekannten Trollhättan-Wasserfällen in Schweden gelegen, gab 
es beim Ausbruch des Weltkrieges ein Hotelchen von ganzen 
25 Zimmern, das sich aber stolz „Grand Hotel Trollhättan““ 
nannte. Solcher Größenwahn ist dumm. Nein, er ist noch 
schlimmer: er ist lächerlich. Und Lächerlichkeit tötet. 
Ein anderer, gern geübter Brauch ist das Vereinigen meh- 
rerer, im Hotelgewerbe gebräuchlicher Namen auf ein einziges 
Haus. Der Zweck dieses Vorganges ist bekannt; man will die 
Konkurrenz verhindern, sich diese Namen zuzulegen. Ein 
„Hotel Monopol“ gibt es fast nicht mehr. Fast immer heißt es 
„Hotel Monopol-Metropol“. Wer ein gutgehendes „Hotel 
Viktoria“ besitzt, dem könnte es aber doch wirklich gleichgültig 
sein, ob ein neugegründetes Hotel sich „Excelsior“ nennt. Die 
Konkurrenz schafft man sich nicht damit vom Halse, daß man 
schnell noch ein paar Namen auf den alten, erprobten auf- 
pfropft und sein Hotel „Grand Hotel Viktoria-Excelsior-Natio- 
nal“ nennt. Man erreicht mit dieser Namensanhäufung wirklich 
nichts, als daß die Schildermaler und das Telegraphenamt sich 
freuen. Die Maler, weil sie neue Schilder zu malen bekommen; 
die Post, weil die Telegramme an das Hotel teurer werden. Die 
Reisenden aber schimpfen: einesteils über unnötiges Schreib- 
werk, andernteils über die erhöhten Telegrammgebühren bei 
Zimmerbestellungen. 
Der Name soll nicht nur dem Charakter des Hotels, sondern 
auch seiner Lage und der Örtlichkeit angepaßt sein. Es macht 
einen lächerlichen Eindruck, wenn ein mitten in ein enges 
Häuserviertel geschachteltes Haus, das von seinen Fenstern 
Nur Aussicht auf Häusermauern und Dächer bietet, Hotel 
„Bellevue“, „Bellavista‘““ oder „Beau Site“ genannt wird. Es 
würde wie Karikatur und Satire wirken, wollte man ein, 
inmitten stärkstem Großstadttrubels gelegenes Haus „Hotel 
Monrepos‘ nennen. 
Der Name wird von geschickten Hoteliers immer SO gewählt, 
daß er sich dem Gedächtnis gut einprägt. Das ist doch schließ- 
lich die Hauptsache! Daher vermeiden praktische Hoteliers 
langatmige Titel, die dann vom Publikum gewöhnlich abge-
	        
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