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DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE
das etwas eintönige Einerlei der „Tanztees‘‘, ‚„Abendtänze“
usw. Abwechslung, neue Gedanken zu bringen.
Rezepte dafür zu geben, ist natürlich gewagt, denn eines
schickt sich nicht für alle und die festlichen Einfälle müssen
dem Rahmen, also den. Räumen, angepaßt sein. Aber es sei
wenigstens von einem solchen Einfall eines gut geführten und
beliebten Hotels in einem bayerischen Badeort erzählt. (Gemeint
ist das Park-Hotel, früher Bellevue, in Bad Wörishofen.) Dort
war man früher mit Bauernbällen, in schöner Abwechslung mit
gewöhnlichen Feld- und Wiesenabendtänzen, ganz gut ausge-
kommen, Aber als es an 24 Stunden des Tages und der Nacht
Dusche regnete, seitdem genügen in jenen glücklichen Gefilden
auch die Bauernbälle mit ihrem Holdrio juchhe nicht mehr.
Man muß seinen Gästen anders kommen, wenn sie kommen
und wenn sie bleiben sollen. Der letzte Einfall jenes Hotels war
ein „Fest in Stambul‘“. Ist mal was anderes als die schon ein
bißchen ramponierten Bösen Buben-Bälle, die Schwarz-weißen
Feste (an denen schon mancher Weiße sich schwarz geärgert
hat), die Gesindebälle, die Babvabende, die Lumpenbälle und
die Rosenfeste.,
Für jenes „Fest in Stambul‘“ hatte die Leitung des Hotels ein
originelles Programm bekanntgegeben, das ich, etwas abge-
kürzt, noch folgen lasse.
Es sei besonders auf den ersten Programmpunkt aufmerksam
gemacht. Der darin zur Anwendung gekommene Trick ist zwar
nicht neu, aber immer wirksam. Wenn man den zu erwartenden
Gästen rät: sich Tischplätze rechtzeitig durch Voranmeldung
zu sichern, so suggeriert man ein gewisses Sorgengefühl. Der
Leser denkt: das ist ganz was besonderes. Es herrscht Andrang.
Du mußt dich dazu halten, sonst bekommst du keinen Platz.
Das ist eine Anregung. Es bleibt der Phantasie der Inter-
essenten überlassen, noch entzückendere Variationen auszu-
denken. Auf diesem Gebiete beschlagene Gäste werden sich mit
Vergnügen am Ausdenken und Arrangement solcher Vergnügen
beteiligen. Man spanne sie an den Wagen, und man wird sehen,
wie gut der Wagen fährt, und daß auch der Hausherr alias
Hotelbesitzer sehr gut dabei fahren wird. Nur achte man darauf,
daß der festliche Charakter leicht und ohne große Unkosten
erreicht werden kann. Gemeint ist damit die Kostümierung.
Man glaubt gar nicht, was für wundervolle Effekte sich mit ein
wenig Phantasie aus dem Nichts erzielen lassen. An einem