Full text : Das Hotel- und Gastgewerbe

DIE TECHNISCHE GESTALTUNG DES INSEKATS 41

aber es hatte doch einen „Gedanken“ gehabt. Das Haus nannte
sich nämlich selbst „das führende, kultivierte Familienhotel‘!
Wie man dem Dichter poetische Lizenz zubilligt, so wird auch
dem Reklame-„Dichter‘“ ohne weiteres ein größeres Maß an
poetischer Übertreibung zugestanden. Geschmacklos erscheint
es aber, wenn ein Hotel sich selbst als „kultiviert“ bezeichnet.
Ein Hotelbesitzer, der mit vollem Recht sagen könnte, daß sein
Haus „kultiviert“ ist, fragte mich spöttisch: „Also findet der
Reisende in den anderen Familienhotels jenes Ortes keine
Kultur?‘‘

Dieses Beispiel aus der Praxis führe ich lediglich an, um
deutlich zu veranschaulichen, wie gerade der Hotelbesitzer bei
seinen Reklamen sich vor Entgleisungen hüten muß, will er

Im Taßre 1027

geht der Kranke zur Gesundung
und der Gesunde zur Erholung

Radium-Sol-Bad Kreuznach

In dieser Anzeige wendet sich ein ausgesprochener
„Kurort“ an Kranke und Gesunde.

nicht dem Fluche der Lächerlichkeit verfallen. Lächerlichkeit
tötet bekanntlich moralisch, während der eigentliche Zweck
jeglicher Reklame doch die Erweckung regsten und lebhaftesten
Lebens ist.
Ein weiteres Beispiel aus der Praxis der Hotelreklame sei
als gutes Lehrmaterial herausgehoben, weil ich an ihm die
vorerwähnte Gedankenlosigkeit demonstrieren will. Vor einiger
Zeit fand ich in einer großen Tageszeitung das Inserat eines
ausländischen Hotels von Ruf. Das heißt, dieses Haus genießt
einen guten Ruf wegen seiner Lage, seiner inneren Einrichtung
und seiner guten Führung, aber es teilt seinen „Taufnamen“
mit vielen Dutzenden Hotels in anderen Städten und Ländern.
Um so mehr verblüffte es mich, daß der Verfertiger der — sehr
kostspieligen — Anzeige es nicht für nötig befunden hatte, auch
den Namen des Landes und der Stadt anzugeben, wo der
Reisende das Hotel finden würde. Nur auf Grund meiner
30jährigen engen Verbindung mit dem Hotelgewerbe vermochte
            
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