39
DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE
„Stilleben‘ machen kann. Schade, daß der malerische Reiz der
Farben nicht wiedergegeben werden konnte.
Viel zu wenig ausgenützt hat man im Hotel- und Fremden-
heimgewerbe die Karte mit Ansichten der Zimmer. Ich bin über-
zeugt, daß es vielen Gästen Vergnügen bereiten würde, nament-
lich bei längerem Aufenthalt, Ansichtskarten von dem bewohn-
ten Zimmer zu erhalten. Natürlich könnte es sich nur um solche
Räume handeln, die aparte Möbel haben und auch sonst von
der üblichen Fremdenzimmerschablone abweichen. Solche
Räume gibt es aber doch, glücklicherweise, in Hotels und
Fremdenheimen, aber auch in Sanatorien und Kurhäusern
recht häufig.
Ich entsinne mich noch heute zweier Hotelzimmer, als habe
ich gestern darin gewohnt, obwohl schon viele Jahre seitdem
vergangen sind. Das eine war ein entzückendes Zimmer, wie in
einem vornehmen, mittelalterlichen Patrizierhaus, in der
„Goldenen Henne‘ zu Arnstadt in Thüringen, der Heimat der
Marlitt. Ihre Romane haben wir von der alten Generation in
den goldenen Jugendtagen mit Heißhunger verschlungen. Das
andere war ein ganz einzigartiges Bauernzimmer, mit wuch-
tigen, wurmzerfressenen Möbeln, im Hotel „Weißes Rößl“ zu
St. Wolfgang im Salzkammergut. Es ist der Schauplatz des
einst sehr beliebt gewesenen Lustspiels „Im weißen Rößl“ von
Blumenthal und Kadelburg. Ich gebe von diesem interessanten
Raum, der so gar nichts vom typischen Hotelzimmer hat, eine
Abbildung wieder, um zu zeigen, was sich davon für wunder-
hübsche Ansichtskarten herstellen lassen würden.
Noch heute würde ich mich freuen, wenn ich von jenen
Zimmern hübsche Ansichtskarten hätte. Namentlich von dem
aus Arnstadt, weil sich daran noch ein ulkiges Erlebnis knüpft.
Wir waren, meine blutjunge Frau und ich — zweites Ehedienst-
jahr — auf einer Wanderfahrt durch Thüringen begriffen und
schon nachmittags in der „Goldenen Henne‘ eingekehrt. Der
sommerliche Staub der Wege und Straßen hatte es gut mit uns
gemeint und meine junge Frau bestellte sich sofort ein Bad.
Wir bewohnten gemeinsam ein zweibettiges Zimmer, eben jenes
entzückende Patrizierheim. Nach wenigen Minuten klopfte es
und ein rotbäckiges Thüringer Zimmermädel meldete meiner
Frau, in meinem eheherrlichen Beisein treuherzig: „Gnädiges
Fräulein, das Bad ist fertig!‘ Wie gerne würde man sich in