Full text: Das Hotel- und Gastgewerbe

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DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE 
„Stilleben‘ machen kann. Schade, daß der malerische Reiz der 
Farben nicht wiedergegeben werden konnte. 
Viel zu wenig ausgenützt hat man im Hotel- und Fremden- 
heimgewerbe die Karte mit Ansichten der Zimmer. Ich bin über- 
zeugt, daß es vielen Gästen Vergnügen bereiten würde, nament- 
lich bei längerem Aufenthalt, Ansichtskarten von dem bewohn- 
ten Zimmer zu erhalten. Natürlich könnte es sich nur um solche 
Räume handeln, die aparte Möbel haben und auch sonst von 
der üblichen Fremdenzimmerschablone abweichen. Solche 
Räume gibt es aber doch, glücklicherweise, in Hotels und 
Fremdenheimen, aber auch in Sanatorien und Kurhäusern 
recht häufig. 
Ich entsinne mich noch heute zweier Hotelzimmer, als habe 
ich gestern darin gewohnt, obwohl schon viele Jahre seitdem 
vergangen sind. Das eine war ein entzückendes Zimmer, wie in 
einem vornehmen, mittelalterlichen Patrizierhaus, in der 
„Goldenen Henne‘ zu Arnstadt in Thüringen, der Heimat der 
Marlitt. Ihre Romane haben wir von der alten Generation in 
den goldenen Jugendtagen mit Heißhunger verschlungen. Das 
andere war ein ganz einzigartiges Bauernzimmer, mit wuch- 
tigen, wurmzerfressenen Möbeln, im Hotel „Weißes Rößl“ zu 
St. Wolfgang im Salzkammergut. Es ist der Schauplatz des 
einst sehr beliebt gewesenen Lustspiels „Im weißen Rößl“ von 
Blumenthal und Kadelburg. Ich gebe von diesem interessanten 
Raum, der so gar nichts vom typischen Hotelzimmer hat, eine 
Abbildung wieder, um zu zeigen, was sich davon für wunder- 
hübsche Ansichtskarten herstellen lassen würden. 
Noch heute würde ich mich freuen, wenn ich von jenen 
Zimmern hübsche Ansichtskarten hätte. Namentlich von dem 
aus Arnstadt, weil sich daran noch ein ulkiges Erlebnis knüpft. 
Wir waren, meine blutjunge Frau und ich — zweites Ehedienst- 
jahr — auf einer Wanderfahrt durch Thüringen begriffen und 
schon nachmittags in der „Goldenen Henne‘ eingekehrt. Der 
sommerliche Staub der Wege und Straßen hatte es gut mit uns 
gemeint und meine junge Frau bestellte sich sofort ein Bad. 
Wir bewohnten gemeinsam ein zweibettiges Zimmer, eben jenes 
entzückende Patrizierheim. Nach wenigen Minuten klopfte es 
und ein rotbäckiges Thüringer Zimmermädel meldete meiner 
Frau, in meinem eheherrlichen Beisein treuherzig: „Gnädiges 
Fräulein, das Bad ist fertig!‘ Wie gerne würde man sich in
	        
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